Bayern 2 - Bayerisches Feuilleton

Die ekstatische Wahrheit Der Filmemacher Werner Herzog

"Ich, Herzog Werner, geboren 1942, sage, dass sich Wahrheit, eine bestimmte, tiefere Schicht von Wahrheit, nur erreichen lässt durch Stilisierung und Inszenierung und Erfindung. Ich nenne es die ekstatische Wahrheit."

Autor: Moritz Holfelder Stand: 29.10.2011
Werner Herzog | Bild: picture-alliance/dpa

Der nahe der österreichischen Grenze im bayerischen Sachrang aufgewachsene Werner Herzog glaubte schon immer daran, die Wirklichkeit beeinflussen zu können: Ende 1973 wanderte er in 22 Tagen von München nach Paris, um die schwer kranke Filmkritikerin Lotte Eisner zu besuchen und damit, in seinem Verständnis, vor dem Tod zu retten. Tatsächlich lebte die Eisner noch weitere zehn Jahre. Über seinen Fußmarsch schrieb Werner Herzog das Buch „Vom Gehen im Eis“.

„Werner Herzog Eats His Shoe“

1977 wettete der Filmemacher mit seinem amerikanischen Kollegen und Freund Errol Morris, dass dieser es nie schaffen würde, seinen ersten Dokumentarfilm „Pforten des Himmels“ fertig zu stellen. Herzogs Wetteinsatz war das Versprechen, seine Schuhe zu essen. In dem Kurzfilm „Werner Herzog Eats His Shoe“ sieht man, wie er die verlorene Wette einlöst.

"Cooking with Werner"

Die kleine Dokumentation „Werner Herzog Eats His Shoe“ von Les Blank kursiert seit der Einlösung der Wette auf Festivals und im Internet. Sie zeigt, wie Werner Herzog seine Schuhe kocht, mit guten Gewürzen, und dann tatsächlich einen Schuh verspeist. - Der seinen Schuh verspeisende Werner Herzog animierte den amerikanischen Komiker William Maier zu der Internet-Kochshow „Cooking With Werner“. Maier selbst spielt alle Rollen. Wie zu erwarten, ist der deutsche Regisseur auch im Dschungel unterwegs – auf der Suche nach speziellen Zutaten für ein ausgefallenes Gericht. Ohne eine existentielle Dimension geht es einfach nicht.

"Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein"

Werner Herzog und Klaus Kinski

Der bayerische Regisseur hat sich in allen seinen Filmen immer mit der Hybris der Menschen auseinandergesetzt, vor allem mit der eigenen. Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein. Eigentlich geht es immer um Werner Herzog selbst, um seinen subjektiven Blick auf die Welt, den im Spielfilm sein Alter Ego Klaus Kinski am radikalsten verkörpert hat, und der im Dokumentarfilm darin besteht, Vorkommnisse, Personen und ihre Aussagen bisweilen sogar frei zu erfinden. Scheiß auf die Authentizität. Werner Herzog spricht in diesem Zusammenhang von der ekstatischen Wahrheit.

Bis ans Ende - und dann noch weiter

Moritz Holfelder hat Werner Herzogs Karriere über zwei Jahrzehnte beobachtet und begleitet – und den Regisseur immer wieder zu seinen Filmen und seiner Arbeitsweise befragt. „Die ekstatische Wahrheit“ porträtiert einen Regisseur, der immer bis ans Ende geht – und dann noch weiter.

"Kaum ist ein Film fertig, dringen wie Einbrecher in der Nacht neue Projekte auf mich ein. Und ich, Herzog Werner, muss mit ihnen ringen und kämpfen und sehen, wie ich sie aus dem Haus herausbekomme. Oder als Filme auf die Leinwand."

Werner Herzog