Bayern 2 - Bayerisches Feuilleton

Bayern und der Bankrott "Und vergib uns unsere Schulden ..."

Schulden sind tückisch: Wenn man nicht aufpasst, werden sie schnell zur drückenden Schuldenlast, am Ende gar zum unbezwingbaren Schuldenberg. Überall lauern Schuldenfallen, in die zwangsläufig jeder tappt, der nicht rechtzeitig auf die Schuldenbremse tritt. Dies gilt für Individuen ebenso wie für Staaten – und somit auch für Bayern.

Autor: Thomas Kernert Stand: 04.02.2012
Bankrott | Bild: picture-alliance/dpa

Der Begriff „Schulden“ ist  das aktuelle Megaleitwort schlechthin. Ohne diesen Begriff kommt kein Stammtisch mehr auf Touren, kein Toilettengespräch mehr zum Kern der Dinge. Zwar gibt es Finanzalchemisten, die nach wie vor behaupten, Schulden durch fragile Derivat-Konstruktionen jederzeit in Gewinne hokuspokusieren zu können, doch leider blickt dabei kein Mensch mehr durch. Weshalb wir uns an dieser Stelle bescheiden wollen.

Wer war der größte Pleitegeier Bayerns?

Hochverschuldet: König Ludwig II.

Statt die Schulden mit akrobatischen Luftbuchungen wegzuzaubern, wollen wir uns ihnen stellen. Ganz konkret und mit so naiven Fragen wie: Was bedeutete es in Bayern früher, Schulden zu machen? Wer konnte, wer durfte überhaupt Schulden machen? Was hatten und haben Schulden mit Religion zu tun? Wer war der größte Pleitegeier Bayerns: der prunksüchtige blaue Kurfürst Max Emanuel, unser kunstbeflissener Märchenkönig Ludwig oder aber der in Sachlichkeit schwelgende demokratische Freistaat? Und warum schmückt sich ein Zeitgeistphänomen wie der FC Bayern in Zeiten der totalen Verschuldung noch immer damit, keinen Pfenning ..., pardon: Cent Schulden zu haben, obgleich seine 170.000 Vereinsmitglieder laut bayerischem Finanzministerium insgesamt mindestens 436 Millionen Euro Schulden haben müssen? Nicht mitgerechnet Bundesschulden, Hypothekendarlehen, laufende Konsumkredite sowie die Miesen auf dem Konto ... Spätestens an dieser Stelle wird‘s kompliziert und der Begriff „Schulden“ schillert wie ein Mistkäfer.

Ein wertvolles, weil hochverschuldetes Mitglied der Gesellschaft

Thomas Kernert hasst Schulden. Das Rechnen mit negativen Zahlen bereitete ihm lange Zeit große Schwierigkeiten. Doch Zeit, Familie und BR-Einkommen befreiten ihn von dieser Schwäche. Heute ist er ein wertvolles, weil hochverschuldetes Mitglied der bayerischen Gesellschaft.