Bayern 2 - Bayerisches Feuilleton


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Nieder mit der Hocherotik! Alois Brummers bumsfidele Filmfestspiele

Es ist eine aus heutiger Sicht skurrile Welt, die der Niederbayer Alois Brummer in seinen Lederhosen-Erotik-Filmen vor mehr als 40 Jahren erschuf. Eine Welt, in der Lust und Nacktheit erlaubt sind, aber doch alles immer schön seine Ordnung hat.

Von: Joana Ortmann

Stand: 21.10.2017 | Archiv

"Meine Filme sind nicht geistreich, aber geistreiche Filme sind auch kein Geschäft."

(Alois Brummer, 1969)

Unschuldiges Heimat-Erotik-Film-Paradies

Nur damit wir uns richtig verstehen: Mit Porno hatte das noch nichts zu tun, dieses aus heutiger Sicht rührend unschuldige bayerische Heimat-Erotik-Film-Paradies, das sich Alois Brummer Ende der 1960er schuf.

"Sex auf gut bayrisch, bumsfidel, voll saftigem Humor!"

(Alte Brummer-Werbung)

Sauberer, volkstümlicher Sex

Alois Brummer (mit Trachtenhut) inmitten seiner Schauspieler

Der geschäftstüchtige Bauernsohn aus Niederbayern hatte einfach die Zeichen der Zeit erkannt und wollte "schönen, sauberen, volkstümlichen Sex" im Kino zeigen. Und so erfand Brummer als Drehbuchautor und Regisseur Figuren, wie sie die Deutschen noch nicht gesehen hatte: Den Grafen Porno von Geilsberg, der zum Frühstück viele Eier isst, damit er nicht schlapp macht. Dr. Fummel mit seinem Stachel, bei dem heiße Bienen nicht lange fackeln. Oder den berühmt berüchtigten Xaver Strammsackel.



Heute sind Brummer-Filme dank Retro-Trend wieder Kult

Plakat zum Brummer-Film "Auf ins blaukarierte Himmelbett" (1974)

Und die Frauen? Sind lüsterne Preußinnen oder frühreife Apothekertöchter. Es ist eine Welt, in der Lust und Nacktsein erlaubt sind, aber doch alles seine Ordnung hat. Bis Mitte der 1980er brachte diese bayerische Variante der Lederhosn-Erotik die damals noch ungleich verklemmtere BRD in Wallung und beflügelte die sexuellen Fantasien von Millionen. Dann verschwanden die harmlosen Lustbarkeiten von der Leinwand – der Siegeszug der Porno-Industrie begann. Und heute? Sind Brummer-Filme dank Retro-Trend Kult.

"Also für mich ist Alois Brummer einfach ein großes Kuriosum, und gleichzeitig hatte er bestimmte Talente, er hatte Geschäftssinn und diese niederbayerische Bauernschläue."

(Brigitte Huber, Archivarin, München)

Die an ungewöhnlichen Biografien interessierte Münchner Archivarin Brigitte Huber entdeckte den Film-Produzenten und -Regisseur zum ersten Mal 2013 in einer kleinen Ausstellung in München – sozusagen posthum – und begann daraufhin, sein Leben genauer zu recherchieren. Sie war es auch, die dafür sorgte, dass Brummers umfassendes Werk, das seinerzeit von Ende der 1970er bis Anfang der 1980er Jahre für so viel Aufruhr in und außerhalb deutscher Betten sorgte, endlich auch in seiner Heimatstadt gewürdigt wurde – wenn auch erst Dekaden später.

Filmografie (Auszug):

  • 1968: Sünde mit Rabatt (Darsteller)
  • 1968: Graf Porno und seine Mädchen (Regie: Günter Hendel)
  • 1969: Eros-Center Hamburg (Regie: Günter Hendel)
  • 1969: Graf Porno und die liebesdurstigen Töchter (Regie: Günter Hendel)
  • 1970: Dr. Fummel und seine Gespielinnen (Regie: Atze Glanert; ein Film mit viel Pasinger Lokalkolorit)
  • 1970: Graf Porno bläst zum Zapfenstreich
  • 1970: Beichte einer Liebestollen
  • 1971: Gestatten … Vögelein im Dienst (Regie: Albert Trennalg = Atze Glanert)
  • 1971: Obszönitäten
  • 1971: Pornografie illegal
  • 1971: Gefährlicher Sex frühreifer Mädchen
  • 1972: Gefährlicher Sex frühreifer Mädchen 2. Teil
  • 1973: Geilermanns Töchter – Wenn Mädchen mündig werden
  • 1973: Liebesmarkt (Regie: Hubert Frank)
  • 1973: Unterm Dirndl wird gejodelt
  • 1974: Beim Jodeln juckt die Lederhose
  • 1974: Hey Marie, ich brauch mehr Schlaf, auf ins blaukarierte Himmelbett
  • 1975: Mei Hos is in Heidelberg geblieben (Regie: Hubert Frank)
  • 1976: Zwei geile Hirsche auf der Flucht
  • 1978: Zwei Kumpel in Tirol
  • 1981: Die heißen Nächte der Josefine Mutzenbacher (Regie: Hans Billian)
  • 1981: Kursaison für scharfe Kumpel/Kursaison im Dirndlhöschen
  • 1982: Katharina – Die nackte Zarin (Regie: Scott Hunt = Klaus König)
  • 1983: Rasputin – Orgien am Zarenhof (Regie: Ernst Hofbauer)

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