Bayern 2


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Ministerpräsident sauer über Attacken Seehofer und der Machtkampf in der CSU

Horst Seehofer hat schon mal bessere Tage gehabt. Auch wenn er im Landtag demonstrativ locker auf die Journalisten zugeht, ist ihm anzumerken, wie sauer er über die Attacken aus der Münchner CSU ist. Er will jetzt Klarheit und sieht vor allem seinen Kultusminister Spaenle in der Verantwortung.

Von: Nikolaus Neumaier

Stand: 12.10.2017

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) nimmt am 25.09.2017 in München (Bayern) nach einer CSU-Vorstandssitzung an der Pressekonferenz teil. Die CSU ist nach Worten von Parteichef Seehofer bereit für Gespräche über eine Regierungsbildung, will aber vorher einen gemeinsamen Kurs mit der Schwesterpartei CDU abstimmen.  | Bild: dpa-Bildfunk/Sven Hoppe

"Das ist der Bezirksvorsitzende. Der wird mir dann schon sagen, ob noch gilt, dass wir jetzt möglichst stark und geschlossen in Berlin verhandeln wollen."

Horst Seehofer über Ludwig Spaenle

Wenn Wechselforderungen aus den Reihen der Kabinettsmitglieder kommen, dann untergräbt das seinen Plan, erst die Koalitionsverhandlungen zu führen und dann über das Personal zu reden. Der Zorn richtet sich darum auch gegen den Münchner Staatssekretär Eisenreich. Seehofer reagiert mit einer kaum versteckten Drohung.

"Ich denke darüber nach, ob man da Konsequenzen ziehen muss, aber auch das in aller Ruhe."

Seehofer

Schützenhilfe - und die deutlich - kommt vom stellvertretenden Generalsekretär Markus Blume. Blume ist selbst CSU-Kreischef in München, war aber zum Treffen der Seehofer-Gegner nicht eingeladen worden.

"Das ist definitiv nicht der Zeitpunkt, um solche Dinge aus dem Hinterzimmer loszutreten - man kann sagen: aus dem Hinterhalt. Das ist keine gute politische Kultur, kein guter Umgang miteinander."

Der stellvertretende Generalsekretär Markus Blume

Aigner steht hinter Seehofer

Ins gleiche Horn stößt Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, eine erklärte Seehofer-Freundin. Sie kritisiert die Rücktrittsforderungen.

"Ich kann nur sagen: Es nützt gar keinem. Ich halte es für schädlich."

Wirtschaftsministerin Ilse Aigner

Auffällig ist, dass sich auch Besonnene für eine baldige Einigung der beiden Alphatiere Seehofer und Söder aussprechen. Die Partei wolle keinen Putsch, sondern erwarte eine Einigung, sagt etwa der Innenpolitiker Florian Herrmann.

"Die Basis wünscht sich nichts sehnlicher, als dass die beiden Stärksten gemeinsam in eine Richtung ziehen."

Innenpolitiker Florian Herrmann

Unverständnis gibt es vor allem, wieso Seehofer seinen Finanzminister Markus Söder nicht zu den Sondierungen in Berlin mitnehmen will. Seehofer lässt die Kritik aber abprallen. Man habe ja die Experten alle dabei, sagt er.

"Bei Manfred Weber ist das klar. Bei Kurt Gribl für die Finanzen und Kommunen."

Seehofer

Seehofer geht ein wenig auf Söder zu

Doch in der Tonalität geht Seehofer auch etwas auf Söder zu. Hatte er zunächst nur davon gesprochen, dass der Finanzminister irgendwie beteiligt werde, so ist er nun offenbar für die Koalitionsverhandlungen gesetzt.

"Da ist dann unser bayerischer Finanzminister automatisch dabei. So war es immer."

Seehofer

Söder selbst äußerte sich wieder einmal nicht. Er fällt seit Tagen damit auf, dass er auf den tobenden Machtkampf öffentlich gar nicht reagiert.


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