Bayern 2


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Tag der Komplimente Was ist Kompliment und was Anzüglichkeit?

Komplimente können das Leben etwas schöner machen. Aber Vorsicht: Ein Galan begibt sich mit einem Kompliment auch schnell auf dünnes Eis. Sabine Schwind von Egelstein ist Autorin und Coachin.

Stand: 24.01.2018

Mann überreicht Frau einen Blumenstrauß | Bild: dpa / pa

radioWelt, Bayern 2: Spielt die #MeToo-Debatte um sexuelle Belästigungen in Ihrem Coaching eine Rolle?

Sabine Schwind von Egelstein, Knigge-Expertin, Autorin und Coachin: Ja und Nein. Es ist natürlich gerade ein wenig en vogue, dass jeder Belästigungen, die er vielleicht irgendwann mal geduldet hat, auspackt und hervorzieht - davon halte ich, ganz ehrlich gesagt, nichts! Es gibt wirklich schlimme Vorfälle, aber jetzt komplett alle Komplimente zu verbannen und zu sagen: Ihr dürft nicht mehr nett zueinander sein!? Das geht dann doch zu weit!

radioWelt: Erleben Sie in Folge dieser Debatte eine Verunsicherung vor allem Ihrer männlichen Klienten?

Sabine Schwind von Egelstein: Ja, eindeutig ist es so, dass in Deutschland das Komplimente-Geben nicht an der Tagesordnung ist. Es gibt andere Nationen, denen ist das ins Blut gelegt. Aber bei uns in Deutschland, da wissen die Leute nicht so recht - und gerade auch die Männer nicht so recht - was sie denn wie sagen sollen oder dürfen. Dabei ist das gar nicht so schwer: Ein Kompliment ist einfach eine nette Äußerung über etwas, was mir auffällt. Es wird problematisch, wenn ich das Kompliment zwischengeschlechtlich auf den Körper beziehe. Also wenn ich jemandem sage: Sie haben aber schöne Lippen, eine hübsche Figur. Was für eine Taille! Das sind Komplimente, die nett gemeint sein mögen, aber etwas zu nah gehen.

radioWelt: Es lässt sich also klar definieren, wo ein gutes Kompliment aufhört und wo die Anzüglichkeit anfängt?

Sabine Schwind von Egelstein: Ja, natürlich! Anzüglich wird es tatsächlich immer dann, wenn es körperlich zu nah wird und im Grunde genommen noch keine wirkliche Verbindung zueinander besteht. Natürlich kann der eine Freund zu einer Freundin sagen: Du hast so schöne Augen. Immer, wenn ich die sehe, dann geht’s mir gleich besser, die leuchten so! Das wird niemand als sexuell übergriffig ansehen. Aber wenn ich jemanden neu kennenlerne und der sagt dann, vielleicht sogar noch mit einem Augenzwinkern, Sie haben aber schöne Augen, dann kommt das natürlich ganz anders an. Das würde nie passieren, wenn man sagt: Was haben Sie hier für eine schöne Vase im Büro stehen!

radioWelt: Wir reden immer davon, dass Männer Frauen Komplimente machen. Geht das nicht auch umgekehrt?

Sabine Schwind von Egelstein: Ja, natürlich. Nur umgekehrt ist es meist nicht so problematisch!

radioWelt:  Sie haben gesagt, dass gerade deutsche Männer Probleme haben mit Komplimenten. Müssen deutsche Männer das Flirten neu lernen?

Sabine Schwind von Egelstein: Das kann schon sein. Wir Frauen haben natürlich auch mit unserer Emanzipation die Männer ein bisschen verunsichert. Da weiß der Mann dann häufig nicht mehr so recht: Wann ist das Mantel- und Degenprogramm der alten Zeiten angesagt, und wann muss ich partnerschaftlich auf gleicher Augenhöhe agieren? Das ist ein bisschen schwierig für den Mann. Meine Empfehlung wäre: Immer mit dem anderen Geschlecht ganz gleichberechtigt umzugehen. Doch ganz tief im Herzen sind die meisten Frauen doch so: Sobald es um Gefühle, um Liebe geht, um zwischenmenschliches Mann-Frau-Sein, dann wird eine Frau sehr gerne nach wie vor hofiert. Und wenn ein Mann sehr respektvoll seine Zuneigung ausdrückt, dann wird das auch nie ein plumpes Anbaggern sein.


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