Bayern 2

Reisen aus dem Supermarkt Schnäppchen oder Reinfall?

Türkei, Thailand, Kanada, Hawaii, China, Namibia und Kuba - zwischen Milchtüten und Tiefkühlkost gibt es nahezu jedes Reiseziel im Angebot der Supermärkte und Discounter. Ist dies tatsächlich ein Weg, gut und günstig zu verreisen?

Von: Elke Schmidhuber Stand: 23.01.2013

Eine Woche Bulgarien im Vier-Sterne-Hotel für 399 Euro oder eine Rundreise durch China für 899 Euro - das sieht für urlaubsreife Kunden auf den ersten Blick sicher recht verlockend aus. Angebote wie diese finden sich auch in Katalogen in den Supermärkten und Discountern. Von "Badeurlaub", "Schiffsreise", "Städtetour" bis hin zur "Wellnessreise" ist dort alles geboten. Doch Verbraucherschützer raten davon ab, blindlings zuzugreifen. Denn eine Beratung zu den Urlaubsreisen kann man dort im Supermarkt nicht erwarten. Wenn man sich informieren will sind häufig teure Hotlines anzurufen. Und auch gekauft werden kann ohnehin nicht an der Kasse, sondern nur über eine Hotline oder im Internet.

Unbedingt Preise und Angebote mit anderen Anbietern vergleichen

Die Buchung im Internet erweist sich als praktisch, denn dabei lassen sich zugleich Preise und Angebote vergleichen. So zum Beispiel ob die Anreisekosten komplett im Preis enthalten sind. Dennoch rät die Beraterin der Verbraucherzentrale Bayern zur Vorsicht:

"Unbedingt das Kleingedruckte lesen! Dort wird das Angebot konkretisiert, das heißt es wird gesagt, welche Angebote genau beinhaltet sind und auch da kann es sich preislich mit anderen Angeboten unterscheiden. Also insofern nicht sofort zuschlagen, weil es als Schnäppchen deklariert wird, sondern noch mal die Angebote in Ruhe prüfen."

Tatijana Halm von der Verbraucherzentrale Bayern

Der Schnäppchentest für Reisen aus dem Supermarkt

Hotel | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Reiserecht Wo naturbelassene Strände lauern

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Denn dass die Reisen aus dem Supermarkt nicht billiger sind, hat ein Test des Reisemagazins "Clever Reisen" ergeben. Die Experten haben die Supermarkt und Discounter-Angebote mit denen in den Katalogen verglichen. Das Ergebnis: Alle Reisen waren in Katalogen oder auf Internetseiten preiswerter zu buchen als bei den Lebensmittelhändlern. Eine zweiwöchige Bulgarienreise war im Katalog beispielsweise 300 Euro billiger als bei Aldi. Auch bei Netto, Tchibo und Plus haben die Tester große Preisunterschiede festgestellt.

Wer steckt eigentlich hinter den Reisen?

"Das sind alles große Reiseanbieter beziehungsweise die Töchter großer Reiseanbieter dahinter. Also durchaus seriöse und erfahrene Reiseveranstalter dahinter."

Falk Murko, Stiftung Warentest

Bei Rewe steht die Firma Clevertours hinter den Reisen, die zum Rewe-Konzern gehört. Sie organisiert vom Call-Center bis zur Reiseleitung am Urlaubsort den kompletten Ablauf. Diese ist wiederum Tochter von Rewe-Touristik, zu der auch Urlaubsmarken wie ITS, Jahn Reisen, Dertour und Meier's Weltreisen gehören. Da Penny zu Rewe gehört, gilt für Reisen aus dem Discounter das gleiche. Ähnlich ist auch das Prinzip von Berge & Meer, einem Reiseunternehmen, das unter anderem die Angebote von Aldi Reisen plant. Hier ist TUI der Gesellschafter im Hintergrund. Thomas Cook und FTI arbeiten über Tochterunternehmen mit Lidl und Tchibo zusammen.

Es zeigt sich also: Die Supermärkte sind für die Reisekonzerne vor allem ein weiterer Vertriebsweg. Echte Schnäppchen sind die Reisen nicht. Laut dem Fachmann von Stiftung Warentest lassen sich in der Regel nicht einmal die Kosten für die Provision sparen, die man im Reisebüro zahlt, denn die Kosten für die Call-Center seien beispielsweise mindestens so hoch wie die Reisebüro-Provisionen, die beim Supermarkt-Verkauf anfallen.


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