radioZeitreisen Heile, heile, Segen
Sonntag, 05.08.2012
13:05
bis 13:30 Uhr
Bayern 2
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Geschichten aus der Medizingeschichte (2/6)
Doktor Hahnemann spielt verrückt
Aus der Geschichte der Behandlung des Irreseins
Von Thomas Kernert
Die Geschichte des Wahnsinns ist eine Geschichte sehr unterschiedlicher "Behandlungsmethoden". "Verrückte" wurden verehrt, verachtet, vertrieben oder inhaftiert. Ärztlich behandelt wurden sie kaum. Zu den dunkelsten Kapiteln der Psychiatrie gehörten zweifellos die ab dem 17. Jahrhundert eingeführten Zucht- und Arbeitshäuser, in denen geistig Behinderte und psychisch Kranke systematisch gedemütigt und misshandelt wurden.
In diesem Kontext spielte Samuel Hahnemann, der spätere Begründer der Homöopathie, ein erstes Mal verrückt. Als er nämlich 1792 in Gotha die Leitung einer "Hülfs-Anstalt für wahnsinnige Standespersonen" übernahm, versuchte er als einer der ersten in Deutschland seinen Patienten mit Respekt zu begegnen und ihre Krankheit ernst zu nehmen. Ein Fall wurde überregional bekannt, der Fall des Schriftstellers und Geheimen Kanzleisekretärs Friedrich Arnold Klockenbrink, der offenbar an einer Art manisch-depressiver Gemütskrankheit litt. Bereits damals experimentierte Samuel Hahnemann mit Heilmethoden, die auf dem homöopathischen Ähnlichkeitsprinzip beruhten. In diesem Sinne versuchte er auch Klockenbrinks Psychose zu behandeln und "spielte" systematisch mit ihm verrückt. Wie Hahnemanns 1796 veröffentlichtem Aufsatz "Striche zur Schilderung Klockenbrinks während seines Trübsinns" zu entnehmen ist, brachte er in der Hauptsache eine frühe Form der Gesprächstherapie zur Anwendung. Und siehe da: Nach einem dreiviertel Jahr wurde Klockenbrink als geheilt entlassen.
Thomas Kernert schlägt ein wenig bekanntes, aber höchst interessantes Kapitel der Medizingeschichte auf.

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