Bayern 2

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Portraits von James Joyce und Robert Musil | Bild: picture-alliance/dpa

Dienstag, 31.07.2012
15:05 bis 16:00 Uhr

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Bayern 2

James Joyce
Vielzitiert und nie gelesen

Robert Musil
"Der Mann ohne Eigenschaften"

Das Kalenderblatt
31.7.1895
Heinrich A. Stupp bricht auf, die Welt zu umwandern
Ausgewählte Beiträge als Podcast verfügbar

James Joyce - Vielzitiert und nie gelesen
von Thomas Morawetz
"Ulysses" - der Roman ist dick wie ein Ziegel, und doch erzählt er nur einen einzigen Tag, einen gewöhnlichen Tag, den 16. Juni 1904. Minutiös berichtet er den labyrinthischen Weg des Annoncenmaklers Leopold Bloom durch Dublin. Der Ire James Joyce hat damit den "Bloomsday", das bekannteste Datum der Weltliteratur gestiftet. Zum Meilenstein ist "Ulysses" jedoch geworden, weil Joyce mit ihm die Erzählform des klassischen Romans sprengt. Zum ersten Mal entwickelt sich die Handlung vor allem durch innere Monologe der Protagonisten, durch deren frei fließende Gedanken und Assoziationen, den "stream of consciousness".
"Ulysses" – die englische Namensform des Odysseus. Homer erzählt von der Irrfahrt des Odysseus, der Suche seines Sohnes Telemach nach dem Vater und schließlich der Heimkehr, Motive, die James Joyce im "Ulysses" aufgreift. Doch erklärt ist das verwobene Werk damit noch lange nicht. Joyce über sein 1922 erschienenes Werk: "Ich habe so viele Rätsel und Geheimisse hineingesteckt, dass es die Professoren Jahrhunderte lang in Streit darüber halten wird, was ich wohl gemeint habe, und nur so sichert man sich seine Unsterblichkeit."

Robert Musil - Der Mann ohne Eigenschaften
von Christine Hamel
Schroff und schillernd war er, streng und im Umgang mit anderen eher schweigsam. Seine vielfach verschlungenen Gedanken brachte er lieber zu Papier. Robert Musil gilt als einer der Großschriftsteller des 20. Jahrhunderts. Sein fragmentarisch gebliebener Riesenroman "Der Mann ohne Eigenschaften" wurde von der Londoner Times schon 1949 zum Jahrhundertroman ausgerufen. Als Robert Musil 1942 im Schweizer Exil stirbt, hinterlässt er ein überbordendes Konvolut von 12 000 Manuskriptblättern - Reflexionen und essayistische Exkurse, die sich zum Zeitbild verdichten und den Übergang vom Großbürgertum zur modernen Massengesellschaft ausleuchten. Der Roman erzählt am Vorabend des Ersten Weltkriegs von einem Geschwisterpaar, das sich nach langen Jahren der Trennung wiederfindet und einander verfällt, von einem Lustmörder namens Moosbrunner und so genannten "Parallelaktionen" zum Wohle des Gemeinwesens - eine skurrile Mischung, die sich dem berühmten Musilschen "Möglichkeitssinn" verdankt. Christine Hamel stellt den österreichischen Romancier und sein Hauptwerk vor.

Redaktion: Petra Herrmann
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