radioTexte am Dienstag Wilde Früchte (2/2)
Dienstag, 03.07.2012
21:03
bis 22:00 Uhr
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Als Podcast verfügbar
Bayern 2
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Wilde Früchte (2/2)
Die Aufzeichnungen des Vordenkers der Bürgerrechts- und Umweltbewegung Henry David Thoreau
Sprecher: Marina Marosch und Heiko Ruprecht
"Lass dein Leben nicht ganz ohne Ziel" lautete seine Parole. Angewidert und enttäusch von der zügellosen, obsessiven Suche nach materiellem Erfolg der aufkommenden Industriegesellschaft, versuchte Henry David Thoreau, der amerikanische Vordenker der Umweltbewegung und unermüdlicher Kämpfer für die Menschenrechte, nicht nach Gegenständen und Objekten zu fragen, sondern nach dem, was jenseits der Dinge liegt. Denn Selbstverwirklichung könne der Mensch nur erreichen, wenn er sich seiner eigenen Verantwortlichkeit bewusst werde. Nicht die Bibel oder die Dogmen sollten den Menschen beeinflussen und leiten, sondern seine Intuition, "dieser Lichtstrahl, der von innen her blitzartig seinen Geist erleuchtet", mahnte Thoreaus Freund und geistiges Oberhaupt der Transzendentalisten Ralph Waldo Emerson seine Zeitgenossen. Mensch, Natur, Moral seien Ausdruck der "Oversoul", eines universellen Geistes. Das war auch Thoreaus Credo. Mit seinem Buch "Walden. Or Life in den Woods", in dem der Schriftsteller seine Erfahrungen im Waldteich bei Concord/Massachusetts beschrieb, wurde Thoreau schlagartig bekannt. Von 1845 bis 1847 lebte er dort in einer selbst gebauten Hütte. Einfaches Leben und hohes Denken, schlichte Kleidung und die einfache Bauweise der ersten Siedler sollten ihm den Weg zur Selbstverwirklichung, zur Befreiung von gesellschaftlichen Konventionen und Verstrickungen ebnen. "Der Wert von einer Erfahrung bemisst sich nicht nach dem Geld, sondern daran, um wie vieles sie uns bereichert", schreibt der Kapitalismus-Kritiker in seiner erstmals auf Deutsch veröffentlichten Materialsammlung "Wild Fruits". In diesem literarischen Kompendium beschreibt der Naturidylliker 182 Pflanzenarten, von den Nussfrüchten der Ulmen Anfang Mai bis zum Wacholder im darauffolgenden März. Thoreau interessierte sich nicht nur für die Geheimnisse der Flora, den Besonderheiten der Pflanzenwelt und ihren faszinierenden Entwicklungsprozessen. Er engagierte sich auch gegen die Sklaverei und forderte den Einzelnen zum passiven Widerstand gegen als unmoralisch betrachtete staatliche Maßnahmen auf.

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