radioTexte - Das offene Buch Der Poet Paul Wühr wird 85
Sonntag, 01.07.2012
11:00
bis 11:30 Uhr
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Als Podcast verfügbar
Bayern 2
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Vom Richtigen im Falschen
Zum 85. Geburtstag des Dichters Paul Wühr
Lesung aus "Salve Res Publica Poetica" und anderen Werken
Mit Karin Anselm, Peter Fricke und dem Autor
"In Gedichten muss man nicht träumen, sondern Faustschläge austeilen", dieses Zitat von Gustave Flaubert steht am Beginn von Paul Wührs "Salve Res Publica Poetica", einer poetischen Republik mit Gedichten als Bürger, die Faustschläge gegen die da oben austeilen. Ist das politische Lyrik? Aber ja! Didaktisch? Keineswegs! Didaktik wäre der Tod der Poesie, aber die Freiheit der Poesie bleibt unangetastet beim politisierenden und philosophierenden Schriftsteller Paul Wühr, dem Münchner in Italien, dem Wortmagier und Sprachskeptiker, der Sätze zerreißt und in neuen Sinnzusammenhängen wieder montiert; der Worte und Silben dreht und wendet und für einen Salto zum nächsten Gedanken nutzt. Irritation, produktive Unruhe, Wachheit ist die Wirkung seiner Verse. "Man kann nur wach bleiben", heißt es in der "Rede" zum Frühlingserwachen der 68er Bewegung, die Wühr dichtend begleitete und beobachtete. Ein Zitat aus seinem Opus "Das falsche Buch", der vergnüglichen 700-Seiten-Rebellion gegen das Richtige. "Das Falsche" ist ein Schlüsselbegriff in seinem Werk, in seiner Skepsis gegen jeden Wahrheitsanspruch und seiner Suche nach alternativen Formen. "gegenmünchen" nannte er vor 42 Jahren sein topographisches Großgedicht, "Dame Gott" seinen jüngsten gewichtigen Band, worin Paul Wühr wiederum Gewissheiten und Hierarchien anzweifelt, Göttinnen porträtiert, Mythen der Weltliteratur neu erzählt. Zu seinem 85. Geburtstag am 10. Juli lesen: Karin Anselm, Peter Fricke und der Dichter selbst. Moderation: Cornelia Zetzsche.
(Wiederholung vom 10.07.2007)

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