radioWissen Gedanken zur Zeit
Mittwoch, 27.06.2012
09:05
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Bayern 2
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Die Gegenwart
Ein rätselhaftes Phänomen
Die Welle ist das Meer
Zen und die christliche Mystik
Das Kalenderblatt
27.6.1899
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Die Gegenwart - Ein rätselhaftes Phänomen
von Irene Schuck
Wir machen Pläne, sorgen für morgen und erinnern uns an das, was einmal war. Wir leben nicht nur in der Zeit, sie bestimmt unser ganzes Wesen. Aber wenn wir fragen, was das eigentlich ist, die Zeit, dann fällt uns die Antwort schwer.
Heute ist unser vorherrschendes Zeitempfinden, dass wir ständig zu wenig davon haben. Der Leistungsdruck zwingt uns zu immer noch größerer Effizienz in der Arbeit. Und auch unsere Freizeit versuchen wir so effizient wie möglich zu gestalten: möglichst viele, intensive Erlebnisse! Bloß keine Zeitvergeudung! Was wir damit erreichen: wir vergeuden unser Leben, leben gar nicht wirklich, sondern hetzen nur einer Idee davon hinterher. Oder mit den Worten des Philosophen Blaise Pascal: "Nie halten wir uns an die gegenwärtige Zeit. Vergangenes und Gegenwärtiges sind für uns nur Mittel, einzig auf das Zukünftige geht unsere Absicht. Also leben wir nie, sondern hoffen bloß zu leben." Die Philosophen haben immer wieder über das rätselhafte Phänomen der Zeit und das der Gegenwart nachgedacht.
Die Welle ist das Meer - Zen und die christliche Mystik
von Gerda Kuhn
In den vergangenen Jahrzehnten hat der Zen-Buddhismus zunehmend auch im Westen Anhänger gefunden. Viele Christen, die in ihrer Kirche meditative Elemente vermissten, fühlten sich von den Zen-Praktiken angesprochen. Seit der Jesuitenpater Lassalle in Japan ZEN als Meditationsform entdeckte, die auch Christen viel zu bieten hat, wurden in Deutschland eine ganze Reihe von christlichen Ordensleuten und Priester zum Zen-Lehrer ausgebildet. Umgekehrt fühlen sich Zen-Mönchen in Japan auch von christlichen Mystikern wie Meister Ekkehard inspiriert. Beide spirituelle Welten scheinen sich gegenseitig zu befruchten. Der Benediktinermönch Willigis Jäger, selbst Zen-Meister, hat sogar eine Vision der westöstlichen Spiritualität entwickelt, die vermeintliche Widersprüche zwischen Christentum und Buddhismus auflöst. Seine Überzeugung: "Die Essenz aller Religionen ist in ihren mystischen Erfahrungen zu finden." Dieser mystische Weg führt aus der Versenkung zurück in die Welt und in die Weltverantwortung. Er führt in die Aktion, ins Handeln und zum Mitmenschen und ist Grundlage einer Ethik der Liebe, die im anderen Menschen sich selbst erkennt.
Redaktion: Bernhard Kastner
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