Bayern 2

radioWissen Medikamente und Kinder

Mädchen vor ausgebreiteten Pillen | Bild: picture-alliance/dpa

Freitag, 25.11.2011
09:05 bis 10:00 Uhr

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Contergan - Geschichte eines Skandals
Gefährliche Grauzone - Über Arzneimittel für Kinder
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25.11.1865 - Sahara-Forscher Heinrich Barth gestorben
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Die Beschreibung der neuen Arznei klingt verlockend: Das Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan soll unter anderem gegen die typische morgendliche Übelkeit in der Schwangerschaft helfen. Und das ohne gravierende Nebenwirkungen. Kein Wunder, dass die Tabletten der Stolberger Firma Grünenthal ab 1957 reißenden Absatz finden. Doch schon bald warnen Ärzte vor schlimmen Nebenwirkungen: Der Wirkstoff Thalidomid führt zu quälender Verstopfung, Schwindelzuständen und teilweise zu unumkehrbaren Nervenschädigungen. Und plötzlich wird klar: Auch die ungeborenen Kinder tragen Schäden davon. Immer häufiger gibt es Berichte über fehlende oder fehl gebildete Gliedmaßen. Obwohl der Grünenthal GmbH schon Anfang 1961 zahlreiche Berichte über Fehlbildungen vorliegen, reagiert der Arzneimittelhersteller nicht, versucht die Nebenwirkungen gar schön zu reden. Erst ein Zeitungsartikel über die Forschungsarbeiten des Hamburger Arztes Widukind Lenz führt dazu, dass Contergan am 26. November 1961 in Deutschland endgültig vom Markt genommen wird. Bis zu dem Tag sind hierzulande schätzungsweise bereits 4.000 contergangeschädigte Kinder zur Welt gekommen.

Das kleine Mädchen leidet an einer angeborenen Herzschwäche. Es braucht dringend Medikamente - und diese bekommt sie auch, obwohl sie nie an Kindern getestet wurden. So sieht der Alltag in deutschen Kinderarztpraxen und Kliniken aus. Denn bis zu 90 Prozent aller Arzneimittel, die Kindern und Jugendlichen in Krankenhäusern verabreicht werden, sind für die Altersgruppe nicht zugelassen. So bleibt den Eltern des herzkranken Mädchens nichts anderes übrig, als auf die Erfahrung der Ärzte zu vertrauen, dass sie die Dosis des Erwachsenen-Medikaments richtig für das Kind herunterrechnen. Aber Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Ihre Körper bauen Medikamente mitunter langsamer ab und ihre Organe reagieren womöglich anders auf Wirkstoffe - das kann gefährlich werden. Allerdings fehlt fundiertes Wissen über die Wirkung von Medikamenten bei Kindern. Denn die Arzneimittelforschung ist hier eingeschränkt: rechtlich, da an gesunden Kindern nicht getestet werden darf; wirtschaftlich, weil sie bei den Pharmafirmen wegen der geringen Gewinnerwartung nicht beliebt ist.

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