Bayern 2

Hörspiel Karl May: Sitara - Land der Sternenblumen: Teil I

Karl May Buchumschlag "Ardistan und Dschinnistan"Buchcover "Ardistan und Dschinnistan" | Bild: Karl May-Verlag, Bamberg

Montag, 08.05.2017
20:03 bis 21:00 Uhr

Bayern 2

Sitara - Land der Sternenblumen
Teil I: Lichte Höhen
Von Karl May
Karl May - Peter Fricke
Hadschi Halef Omar - Aurel Manthei
Kara Ben Nemsi - Felix Klare
Taldscha - Juliane Köhler
Priesterin - Sibylle Canonica
Mir von Ardistan - Stefan Wilkening
Bearbeitung und Regie: Michael Farin
BR 2017
Ursendung
Als Podcast verfügbar im Hörspiel Pool
Wiederholung vom Sonntag, 15.00 Uhr

Arno Schmidt zählte Karl Mays Doppelroman Ardistan und Dschinnistan (1907/1909), wie überhaupt dessen späte Romane und dessen einziges Drama Babel und Bibel (1906), zu den "merkwürdigsten Werken deutscher Zunge" und leitete aus ihm vielerlei und allerlei her. Seine Deutungen gipfelten in der grandios gescheiterten Studie Sitara und der Weg dorthin (1963). Wobei: auch Arno Schmidt kam vom Wege ab und verfehlte, ähnlich wie Karl May, sein selbst-gestecktes Ziel: „Jedenfalls ist es bei diesem Ardistan & Dschinnistan so, daß man sich bis zur letzten Zeile immer noch in Ardistan befindet, das ‚& Dschinnistan‘ ist Programm geblieben; ja selbst das 'hochinteressante' Zwischenland Märdistan mit der 'Geisterschmiede' muß man sich aus Babel und Bibel hinzukonstruieren." Dieser Doppelroman - ein Bündel aus zahlreichen losen Handlungsfäden, die sich selbst auf über 1.200 Seiten nicht verknüpfen und am Ende "im Winde flattern" - erzählt auf der Folie des Märchens von der Spiegelerde Sitara, das für Karl May den Beginn seines "eigentlichen", allerdings nie vollendeten Werks darstellt, von der letzten Reise des Kara Ben Nemsi. Er unternimmt sie im Auftrag seiner Freundin Marah Durimeh, um
den drohenden Krieg zwischen Ardistan und Dschinnistan zu verhindern. (Was ihm im Übrigen gelingt!) Seine Reise führt ihn an die Grenzen Dschinnistans, aber auch an die Grenzen seines Ichs. Jenseits davon, so heißt es, liegen die Pforten des Paradieses.

In diesen Jahren schrieb Karl May, das ist kein Zufall, zudem einen seiner aufregendsten Texte: die "psychologische Studie" Frau Pollmer (1907) sowie seine Autobiographie Mein Leben und Streben (1910), die nicht grundlos mit dem "Märchen von Sitara" beginnt. Ardistan und Dschinnistan lässt sich denn auch ohne weiteres als symbolistisch überhöhte, psychologisch-theologisch aufgeladene Selbstvergewisserung eines Autors deuten, der sich seinen Jenseitsvorstellungen, sie in eindrückliche Bilder transformierend, rückhaltlos auslieferte. "Hier sieht man May als das, was er ist: der bisher letzte Großmystiker unserer Literatur!" Arno Schmidt in Dya na Sore.

Karl May (1842-1912) ist einer der meistgelesenen Schriftsteller deutscher Sprache und einer der am häufigsten übersetzten. Die weltweite Auflage seiner Werke beträgt weit über 200 Millionen Exemplare. Zahlreiche Verfilmungen und mehr als 300 Hörspiele lassen sich verzeichnen. Seine Abenteuerromane
um Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar sowie um Old Shatterhand und Winnetou leben auch heute noch fort.

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