Bayern 2

radioTexte - Das offene Buch Moses Rosenkranz: "Jugend" (2/2)

Moses Rosenkranz | Bild: Foto © privat

Sonntag, 06.03.2016
11:00 bis 11:30 Uhr

Bayern 2

Moses Rosenkranz, kein deutscher, aber ein deutschsprachiger Dichter, 1904 in der Bukowina geboren, im Kronland der Donaumonarchie, erzählt von seiner "Jugend".

"Ich sah die Schule als einen Übungsplatz unserer Gehirne gegen die Natur an. Aber waren wir selber nicht auch Natur? War was wir so nannten nicht auch unser eigenstes Wesen und Schicksal? Lernten wir also gegen uns selber an?" So beginnt Moses Rosenkranz den zweiten Band seiner Erinnerungen. Nach "Kindheit" erzählt er darin von seiner "Jugend" und flicht in seine fragmentarische Autobiographie immer wieder Reflexionen dieser Art: "Wir sollten lernen forschen, um Wissen zu erlangen, und damit Macht erobern." - Moses Rosenkranz wurde 1904 als Edmund geboren, als siebtes von neun Kindern eines Bauern in Berhometh am Pruth, einem winzigen Dorf, einer Siedlung von Hütten am Fluß, im Norden der Bukowina, in den Vielvölkerkosmos der Donaumonarchie mit Juden, Polen, Rumänen, Deutschen, Magyaren und all den anderen Völkern und ihren Sprachen. Unweit des legendären Czernowitz, der "Stadt der toten Dichter", aus der Rose Ausländer, Paul Celan, Erwin Chargaff, Wilhelm Reich und andere später berühmte Autoren und Wissenschaftler kamen, ein Mythos und heute Teil der Ukraine. Auch Moses Rosenkranz wuchs mit dieser Sprachenvielfalt auf, mit Jiddisch, Ukrainisch, Rumänisch, Polnisch und Deutsch. Aber er kam nicht aus dem gebildeten Bürgertum, von dem er sich distanzierte, er schildert das Leben von unten, das Elend, die Zuflucht im Nachtasyl, . Bis 1930 lebte er vorwiegend in der Bukowina, dann in Bukarest, später, als Jude verfolgt und verschleppt, in rumänischen Arbeitslagern und zehn Jahre im Gulag der Sowjetunion. 1961 konnte er fliehen, kam nach Deutschland und lebte, am Ende erblindet, bis zu seinem Tod im Jahr 2003 im Schwarzwald. In seinen Erinnerungen "Kindheit" und "Jugend" werden diese versunkene Welt und Moses Rosenkranz' dramatische Biographie lebendig: die Armut, die Zerstörung des elterlichen Hofes im Krieg, die Odyssee durch den "federleicht blutig zerhackten Raum der alten Monarchie", die damals unterging, die ständige Suche nach Arbeit, die Wanderjahre in Krakau, Triest, Bukarest, Wien, Passau, München, Straßburg, Paris und Blois an der Loire. Ein polyglottes Leben. Ein Fremder überall, der sich mit Chuzpe und Witz durchs Leben schlägt in diesem vom Ersten Weltkrieg gezeichneten Europa, und der Gedichte schrieb, trotz allem. "Leben in Versen", hieß sein erster Band, der 1930 erschien. Sein ungewöhnliches Deutsch aus der Donaumonarchie ist eine echte Herausforderung und von keinem so virtuos gelesen wie von Nikolaus Paryla, dem Schauspieler und Regisseur; ein Theatertier aus einer Schauspielerfamilie und mit allen Theater-Wassern gewaschen, also, gerade richtig für Moses Rosenkranz "Jugend. Fragment einer Autobiographie", die - in Kooperation von Bayern 2 mit dem Rimbaud Verlag - als Hörbuch entstand und in Ausschnitten an zwei Sonntagen in "radioTexte - Das offene Buch" zu hören ist. Regie: Eva Demmelhuber. Moderation und Redaktion: Cornelia Zetzsche.

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