Bayern 2

hör!spiel!art.mix Wassily Kandinsky: Klänge (1/2)

Wassily Kandinsky | Bild: SZ-Photo

Freitag, 22.01.2016
21:05 bis 22:30 Uhr

Bayern 2

Klänge (1/2)
Von Wassily Kandinsky
Mit Helga Fellerer, Detlef Kügow, Gabriel Raab, Kathrin von Steinburg und Sebastian Weber
Realisation: Karl Bruckmaier und Various Artists
BR 2015
Als Podcast verfügbar im Hörspiel Pool

Über die Produktion des "Klänge"-Hörstücks
Karl Bruckmaier im Gespräch mit Christine Grimm
BR 2015

Als Klänge von Wassily Kandinsky 1912 im Münchner Piper Verlag erschien, ahnten weder Verlag noch Öffentlichkeit, dass mit diesem schmalen Band mit seinen Holzschnitten und Prosagedichten ein heute legendäres Bindeglied zwischen Epochen und Stilen publiziert wurde. Kandinsky selbst betrachtete die entstandene Verknüpfung von Bild und Text als Befreiung, als Akt der Überwindung künstlerischer Beschränkungen. "In der Vergangenheit wurde ein Künstler stets schief angeschaut, wenn er sich schriftlich auszudrücken suchte - als Maler hatte man sogar mit dem Pinsel zu essen und so zu tun, als gäbe es keine Gabel." So wie sich Kandinsky in seiner Malerei Schritt für Schritt von der Gegenständlichkeit entfernte, so versuchte er parallel dazu in einer ihm (eigentlich) fremden Sprache die oberflächliche Bedeutung der Wörter zu überwinden, die Möglichkeit einer neuen Bedeutung, die sich nur in Klang und Rhythmus des jeweiligen Wortes erschloss, zu ergründen. Manches erinnert hierbei an die expressionistische Dichtung der Zeit, doch geht Kandinsky oft auch einen Schritt weiter, gelingen ihm Zeilen, die schon auf etwas verweisen, das bald Dada heißen wird. Kein Wunder, dass Hugo Ball über Klänge ins Schwärmen gerät: "Niemand, nicht einmal die Futuristen, haben die Sprache dermaßen ausgemistet." Wenn Kandinsky schreibt, können wir dem Maler beim Sehen zuhören - so nahekommen wir selten dem Schaffensprozess eines Bildenden Künstlers. Dies mag daran liegen, dass für Kandinsky das Schreiben "bloß ein Wechsel des Handwerkszeugs" ist: "Statt der Palette verwende ich nun die Schreibmaschine. Aber mein innerer Antrieb bleibt derselbe."
Das Klänge-Projekt der Abteilung Hörspiel und Medienkunst des BR übergibt nun diese Texte Kandinskys nach über einem Jahrhundert einer neuen, pop-sozialisierten Generation von Künstlern - die meisten Musiker, manche auch in der Bildenden Kunst aktiv, manche selbst Kunstsammler und Kenner -, um auszuloten, welche Wechselwirkung die "pression intérieure" des nachgerade archetypischen "modernen Künstlers" Kandinsky in einem neuen Kontext auszulösen in der Lage ist.

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