Bayern 2

Aus dem Studio Franken: Zeit für Bayern Hörfunk-Feature

Familie Guggenheim zu Besuch in Frankenwinheim | Bild: Christian Männer

Samstag, 26.12.2015
12:05 bis 13:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

Bayern 2

Der Botschafter und die schöne Gräfin - Die andere Geschichte der Burg Falkenberg
Von Thomas Muggenthaler
Besuch aus Amerika - Auf den Spuren des fränkischen Landjudendtums
Von Renate Eichmeier

Der Botschafter und die schöne Gräfin
Die andere Geschichte der Burg Falkenberg

Die Burg Falkenberg im Landkreis Tirschenreuth war eine Ruine, als sie Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg kaufte. Er hat sie saniert und wieder bewohnbar gemacht. Der Graf war sein Leben lang Diplomat. Als Hitlers Botschafter in Stalins Moskau musste er den Sowjets 1941 auch die Kriegserklärung Deutschlands überreichen. Schulenburg war gegen diesen Krieg. Wegen seiner Verwicklung in die Umsturzpläne der Attentäter des 20.Juli 1944 um Claus Schenk Graf von Stauffenberg wurde er vor den Volksgerichtshof der Nazis gestellt und in Berlin-Plötzensee hingerichtet.
Aus seiner Zeit als Botschafter in Teheran hatte er die wunderschöne und lebenslustige Ala Duberg mitgebracht, die 20 Jahre lang seine Lebensgefährtin war, und die auch den Umbau der Burg mit geleitet hat. Auch sie wurde von den Nazis ermordet.
Das NS-Regime nutzte die Burg schließlich, um hier hochrangige Kriegsgefangene festzusetzen. Nach der Befreiung von der Nazi-Diktatur ließen sich Verwandte des Grafen in Falkenberg nieder und bewohnten die Burg. Inzwischen hat der Markt Falkenberg die Burg gekauft, die auf mächtigen Granitfelsen hoch über dem Ort thront.
Seit November erinnert ein kleines Museum in der Burg an ihren Retter, Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg.

Besuch aus Amerika
Auf den Spuren des fränkischen Landjudentums von Renate Eichmeier

Ende Juli 2015. Die Brüder Armin und Helmut Guggenheim besuchen das 1000 Seelen-Dorf Frankenwinheim bei Gerolzhofen. Sie kommen mit ihren Kindern und Enkelkindern aus den USA. Insgesamt 17 Leute im Alter zwischen 11 und 85 Jahren. Es ist ein Wiedersehen mit der alten Heimat: Armin und Helmut sind in einer jüdischen Familie in Frankenwinheim aufgewachsen.
Franken war fast tausend Jahre lang ein wichtiges Zentrum jüdischer Geschichte und Kultur in Süddeutschland. Seit Ende des 11. Jahrhunderts lebten Juden kontinuierlich in fränkischem Gebiet. Jüdische Hochschulen entstanden, zahlreiche Synagogen und Friedhöfe wurden gebaut - auch in kleinen fränkischen Dörfern. Die jüdische Gemeinde in Frankenwinheim entstand im 19. Jahrhundert und machte zeitweise fast 20 Prozent der Einwohner aus. Familie Guggenheim war im Ort verwurzelt. Die Eltern von Armin und Helmut besaßen dort bis Ende der 1930er Jahre ein kleines Anwesen. Großvater Joseph Kissinger war jahrzehntelang Rabbiner der Gemeinde. Vater und Onkel hatten im Ersten Weltkrieg für Kaiser und Vaterland gekämpft. Und die Brüder besuchten wie alle jüdischen Kinder gemeinsam mit den christlichen Kindern die Dorfschule.
1939 zwang der Naziterror die Guggenheims mit ihren kleinen Söhnen in die Emigration. Nach schwierigen Anfangsjahren in den USA schaffte die Familie es, Fuß zu fassen. Armin und Helmut wurden erfolgreiche Geschäftsleute und blicken auf ein erfülltes Leben zurück. Der Besuch mit ihren Familien in ihrem fränkischen Heimatdorf ist eine Reise zurück zu ihren deutsch-jüdischen Wurzeln und eine Erinnerung an das bunte christlich-jüdische Leben in den fränkischen Dörfern, bevor es von den Nazis zerstört wurde.

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