Bayern 2

radioFeature Die andere Heimat?

Das Münchner Traditionslabel wird 50 | Bild: Trikont

Sonntag, 19.11.2017
21:05 bis 22:00 Uhr

Bayern 2

Das Münchner Traditionslabel Trikont
Von Valerie Trebeljahr
Wiederholung vom Samstag, 13.05 Uhr
Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

Heimat ist wieder in und zumindest der Süden Deutschlands braucht für diese Erkenntnis keine Nationalelf, sondern beweist nun schon seit Jahren: "Mia" sind mehr als "mia", und selbst ein bayerischer Heimatbegriff muss nicht von Lederhose, Parteibuch und Volkstümelei geprägt sein, kann auch klare politische Statements beinhalten, beispielsweise gegen die Obrigkeit. Dass das andere, das anarchische aber auch hippe Bayern im Trend liegt, zeigt der internationale Erfolg von Bands wie LaBrassBanda vom Chiemsee oder die Renaissance der "Oidn Wiesn" auf dem Oktoberfest. Eine Münchner Institution, die den aktuellen Heimat-Trend mitbefördert hat, von ihm profitiert, ihn aber auch kontinuierlich hinterfragt ist "Trikont".
"Damn, Trikont get me every time. How do these dudes keep getting it so right?" schreibt der angesehene Musikjournalist Everett True 2007 in der New Yorker "Village Voice": Rund 500 Veröffentlichungen zählt die Diskographie von Trikont: Hier findet sich finnischer Tango neben American Yodeling, Russendisko neben Rembetika, Karl Valentin neben Country-Legende Hank Williams.
Eine große musikalische und kulturelle Bandbreite, die allerdings aus einer klaren politischen Linie resultiert. Und deren Wurzeln reichen weit zurück. Gegründet wurde Trikont 1967 als linksradikaler Verlag, als Teil der damals gerade beginnenden Außerparlamentarischen Opposition. Schon damals mit an Bord: Achim Bergmann, heute mit Eva Mair-Holmes Geschäftsführer von Trikont. Klarer Ansatz des Kleinunternehmens: Revolution. Man verlegte Che Guevara und Terrorist Bommi Baumann.
Da Politik und Pop in den 1960ern nah beieinander lagen, war es nur logisch, im Laufe der Jahre verstärkt Musik heraus zu bringen und damit ein größeres Publikum zu erreichen als mit ewigen Theoriediskussionen. Die Suche nach dem Anderen, dem Dagegen, dem Experiment nach ureigenen Kriterien, mit einer gehörigen Portion Dickschädel, ohne Angst vor Staat oder Trend, bestimmt bis heute die Arbeit. Ein Label, das mittlerweile international Anerkennung genießt, und immer wieder die Frage nach dem Wo und Wie von Heimat stellt. Auch noch im fortgeschrittenen Alter. Zum 50. Geburtstag im November 2017 wird das Porträt des Münchner Traditonslabels aus dem Jahr 2014 erneut gesendet.
Die Autorin Valerie Trebeljahr war Herausgeberin von Fanzines, ist Sängerin und Keyboarderin der Elektropopband Lali Puna und arbeitet als Radiojournalistin.