Bayern 2

radioTexte am Donnerstag Wolfgang Borchert: Jesus macht nicht mehr mit

Wolfgang Borchert | Bild: picture-alliance/dpa  Keystone

Donnerstag, 16.11.2017
21:05 bis 22:00 Uhr

Bayern 2

Blick in die deutsche Trümmerseele. Erzählungen zum 70. Todestag des früh verstorbenen Wolfgang Borchert, gelesen von Uwe Friedrichsen und anderen

Redaktion und Moderation: Judith Heitkamp

Ausgewählte Beiträge als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

Er war einer der ersten, die nach der Katastrophe des zweiten Weltkriegs eine Sprache fanden, um von dieser Katastrophe zu erzählen. Jedes Pathos, jeder Pomp verbot sich von selbst vor einer schier unendlichen, auch seelischen Trümmerlandschaft. Borchert stellte ganz schlichte Szenen in den Mittelpunkt seiner Prosa, einfache Fragen, die nach Brot, die nach einem Löwenzahn, die nach Freundlichkeit. Grausamkeit ist genauso unfassbar wie Mitgefühl, wenn man den Abgrund des Krieges hinter sich hat. „Draußen vor der Tür“, das berühmte Hörspiel und Theaterstück, erzählt von dem Kriegsheimkehrer Beckmann, dessen Heimat es nicht mehr gibt. Für viele Menschen damals ein präziser Ausdruck ihrer eigenen Entwurzelung.

Wolfgang Borchert war 17, als er zum Militär eingezogen wurde, er wurde verwundet, kam in Kriegsgefangenschaft, floh, erreichte Hamburg Monate nach Kriegsende zu Fuß und schwerkrank. Anderthalb Jahre blieben ihm noch für sein schmales, bis heute gelesenes Werk. Er starb am 20. November 1947, einen Tag vor der Uraufführung von „Draußen vor der Tür“ an den Hamburger Kammerspielen. In der klassischen Lesung die Erzählungen „Jesus macht nicht mehr mit“, „An diesem Dienstag“, „Schischyphusch“, gelesen von Uwe Friedrichsen und Horst H. Vollmer, und ein Stück einer historischen Lesung aus „Draußen vor der Tür“. Redaktion und Moderation: Judith Heitkamp.


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