Bayern 2

Katholische Welt Die Euthanasie-Verbrechen im Kloster Irsee

Kloster Irrsee - Lichter gegen das Vergessen | Bild: BR Daniel Knopp

Sonntag, 12.11.2017
08:05 bis 08:30 Uhr

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Bayern 2

Mord im Kloster
Die Euthanasie-Verbrechen im Kloster Irsee
Von Daniel Knopp
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"Es grüßt dich deine dich nie vergessende Mama", so endet ein Weihnachtsbrief an den fünfjährigen Erwin L. Es sollte der letzte Weihnachtsbrief sein. Am 14. September 1943 wurde der fränkische Junge, der lediglich nicht richtig sprechen konnte, nach Irsee verlegt. Der zuständige Oberarzt beschreibt Erwin als, so wörtlich, "lebhaften Idioten ohne Sprachäußerung". Sechs Wochen später folgt der Eintrag "Exitus" mit der für die Opfer der Euthanasie typischen Todesursache Bronchopneumonie. Erwins Grab befindet sich heute auf dem Irseer Ortsfriedhof. Im Rahmen einer großen Pflege-Fachtagung hat das Bildungswerk des Bayerischen Bezirketags eine Dokumentation über die Patientengräber der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Irsee vorgelegt. Angefangen hatte die Aufarbeitung der Vergangenheit in der Psychiatrie Irsee und Kaufbeuren durch den damals neuen ärztlichen Direktor Michael von Cranach im Jahr 1980. Als junger Oberarzt war er schockiert von den Lebensbedingungen der Patienten. Wie viele Menschen in Irsee der sogenannten Euthanasie zum Opfer fielen, ist heute immer noch nicht genau zu sagen. Schwierig zu beantworten ist auch die Frage der Täterschaft: Nicht nur Ärzte spritzten ihre Patienten zu Tode, auf besonders perfide Weise wurden die Menschen mit vollkommen nährstoffleeren Suppen ausgehungert und so ist die Vergangenheit im Kloster Irsee noch lange nicht aufgearbeitet. Noch heute melden sich Angehörige, die über den plötzlichen Tod ihrer Verstorbenen etwas wissen wollen. Und noch heute gibt es neue Geschichten, die Krankenakten, Tagebücher oder Zeitzeugen berichten können.

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