Bayern 2

radioTexte am Dienstag E. du Châtelet: Mathematik + Männer = Glück?

Dienstag, 17.10.2017
21:05 bis 22:00 Uhr

Bayern 2

In ihrer "Rede vom Glück" empfiehlt Madame Émilie du Châtelet Mäßigung im Genuss und eine gesunde Lebensführung. Bestandteile ihrer Glücksformel sind aber auch die Beschäftigung mit Mathematik und die Liebe. Geht ihre Rechnung "Mathematik + Männer = Glück" wirklich auf?    

Bereits zu Lebzeiten erntete die französische Aristokratin Emilie du Châtelet (17.12.1706 -10.9.1749) mit ihren Übersetzungen wissenschaftlicher Werke und ihrer Abhandlung über die Metaphysik Newtons viel Lob von der von Männern dominierten akademischen Welt. Von den neidischen Salonières, den Salondamen der frühen Aufklärung, wurde sie mit Spott überhäuft: Sie mache sich nur wichtig und schön sei sie auch nicht, gifteten ihre eleganten Rivalinnen. Ihrer Karriere und ihrem Liebesleben schadeten die despektierlichen Äußerungen keineswegs. Nachdem Emilie den Marquis Flore Claude du Chastellet heiratete und ihm drei Kinder schenkte, änderte die talentierte Marquise ihr Leben. Zum Erstaunen ihrer missgünstigen Zeitgenossinnen wurde die Liste ihrer Liebhaber und Bewunderer immer länger. Besonders glücklich war Emilie mit Voltaire, dem Star unter den damaligen Intellektuellen. In dieser Zeit widmete sich die zierliche Dame den Naturwissenschaften, verfasste ausführliche Bibelkommentare, studierte die Klassiker der Weltliteratur. In ihrem "Discours sur le bonheur", ihrer Rede vom Glück, folgt Emilie den Grundsätzen Epikurs, wobei sie zu dessen "Glücksformeln" Mäßigung im Genuss und eine gesunde Lebensführung ihre eigenen hinzufügt: Liebe, Leidenschaft und die Beschäftigung mit Mathematik und Geometrie. Da die Frauen keinen Ruhm durch Kriegstaten oder Staatsgeschäfte erlangen können, so die gebildete "Maitresse à penser", sollten sie sich mit naturwissenschaftlichen Themen beschäftigen.

Aber gestaltete sie auch ihr Leben nach ihren gut gemeinten Grundsätzen? Ging ihre Formel: "Mathematik + Männer = Glück" auf?
Mit ihrem jungen Geliebten Jean François de Saint-Lambert und Voltaire führte die intelligente Marquise eine ungewöhnliche Ménage à trois, die für einen großen Skandal sorgte, auch weil Emilie im Alter von 43 Jahren von ihrem angebeteten Galan ein Kind erwartete. Es liest Caroline Ebner
Redaktion und Moderation: Antonio Pellegrino