Bayern 2

radioFeature Der Deutsche Herbst 1977

Samstag, 14.10.2017
13:05 bis 14:00 Uhr

Bayern 2

Ein heilsamer Schock  
Der Deutsche Herbst 1977 aus der Sicht nach 40 Jahren
Von Roderich Fabian

Wiederholung am Sonntag, 21.05 Uhr
Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

Jahrestage bergen die Gefahr der Endlosschleife und zum Thema RAF scheinen alle Bilder gezeigt, alle Texte gelesen, alle Bücher geschrieben. Und doch geht die RAF-Debatte weiter und die Geschichte ist noch lange nicht aufgearbeitet. Als am 18. Oktober 1977 die entführte Lufthansa-Maschine in Mogadischu befreit war und die RAF-Mitglieder Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan Carl Raspe in Stammheim tot aufgefunden wurden, war dem Autor der Sendung, Jahrgang 1957, klar, dass es nur Mord sein konnte. Später sah er das anders.
Doch er ist überzeugt: der so genannte Deutsche Herbst war mit diesem Tag eigentlich vorbei und damit die größte innenpolitische Krise in der Geschichte der Bundesrepublik. Der Ausnahmezustand der vorangegangenen Wochen war vorüber, eine ganze Nation schien erlöst nach einer nervenzerreibenden Eskalation.

Die bürgerliche Mehrheit des Landes und auch die linke Opposition im Lande waren sich zumindest darin einig, dass sich der Deutsche Herbst nicht wiederholen darf. Was folgte, war eine allmähliche ideologische Abrüstung; die Republik veränderte sich. Deutschland ist kein Polizeistaat geworden. Doch der deutsche Rechtsstaat hatte sich verändert und fast keine der damals neuen Grundrechtsbeschränkungen wurden später wieder aufgehoben.
Und was bleibt von der biografischen Prägung dieser Zeit, die ja fast alle heute 60- bis 70-Jährigen gemeinsam haben? Beim Autor des Features war es das kritische Bewusstsein, das Wissen um das Recht auf den Zweifel und das permanente Hinterfragen bestehender Macht- und Autoritätsverhältnisse. Und so stellen sich auch heute vergleichbare kritische Fragen: Im Zeichen einer neuen terroristischen Bedrohung wird wieder aufgerüstet, werden neue Überwachungsgesetze auf den Weg gebracht und der Staat ist erneut dabei, sich zu wandeln.