Bayern 2

radioTexte am Dienstag M. Montaigne: Von der Kunst, das Leben zu lieben

Michel de Montaigne | Bild: picture-alliance/dpa

Dienstag, 10.10.2017
21:05 bis 22:00 Uhr

Bayern 2

Zum Auftakt der diesjährigen Frankfurter Buchmesse mit dem Gastland Frankreich liest Gert Heidenreich ausgewählte Essays des französischen Meisterdenkers Michel de Montaigne

"Was weiß ich?" - diesen berühmten Spruch von Pyrrhon von Elis ließ Michel de Montaigne auf eine Medaille drucken. Dieses Motto stand für seine Wahlverwandtschaft mit dem großen griechischen Skeptiker und drückte auch Montaignes Zweifel aus, die durchaus zu seinem Lebensentwurf gehörten. Michel de Montaigne hat stets wiederholt, seine Essays seien vor allem "Versuche an sich selbst". Und bekannte zugleich, er sei der einzige "Inhalt seines Buches". Die 107 Kapitel der letzten Fassung seiner "Essais" geben immer wieder Auskunft über das Leben des Verfassers, das nicht immer "comme il faut" verlief. Lange nannte man den 1533 auf Schloss Montaigne in der Dordogne geborenen Micheau Sohn eines "Heringshändlers", obwohl sein Großvater den Handel mit dem "degoutanten Geruch" aufgegeben hatte und auf eine beachtliche Karriere als Ratsherr und Bürgermeister von Bordeaux, Schlossbesitzer und Lehnsherr des Bischofs von Bordeaux zurückblicken konnte.

"Fulminante Fricassees"
Später reüssierte auch der begabte Michel als Politiker und imponierte seinen Zeitgenossen vor allem mit seinen "Essais", seinen "Versuchen". "Salat", "schlechtes Ragout" und sogar "Fricassée" nennt Montaigne seine Gedanken und Beobachtungen. Dahinter verbirgt sich die Überzeugung, dass man viele Aspekte des menschlichen Daseins nicht rein wissenschaftlich behandeln kann, sondern essayistisch. Mit dezenter Eleganz und der sprichwörtlichen clarté der französischen Denker äußert sich Michel Eyquem, Seigneur de Montaigne zu alltäglichen - auch scheinbar banalen - Situationen, formuliert aus Erlerntem und Erlebtem allgemein gültige Aussagen, die nur aus der Feder eines Grandseigneur des Geistes stammen können. "Lachend die Wahrheit sagen" - oder "Von der Kunst das Leben, zu lieben". Es liest Gert Heidenreich. Redaktion und Moderation: Antonio Pellegrino