Bayern 2

Eins zu Eins. Der Talk Gast: Luise F. Pusch, Linguistin

Montag, 09.10.2017
22:05 bis 23:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

Bayern 2

Stefan Parrisius im Gespräch mit Luise F. Pusch, Linguistin
Wiederholung von 16.05 Uhr
Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

Mit 73 Jahren ist die Bloggerin Luise F. Pusch wohl eine der ältesten Netzfeministinnen - bekannt vor allem für ihr Web-Portal "Fembio" mit 32.000 Biografien bedeutender Frauen. In den Achtzigerjahren begründete sie mit anderen die feministische Sprachwissenschaft.

Leben im Versteck
Für die junge Luise F. Pusch waren zwei Dinge prägend: Ihre "beschämende" Armut - die alleinerziehende Mutter konnte ihr nur ein Kleidungsstück für das ganze Schuljahr verschaffen. Und ihre Liebe zu Mädchen. "Eine Frau ist lieber tot als lesbisch - das war die Botschaft der Fünfziger", erinnert sich Pusch. Bis Anfang der Siebzigerjahre tarnen sie und ihre langjährige Freundin im Rollstuhl ihre Liebensbeziehung als selbstlose Pflege-Beziehung. Im Buch "Sonja. Eine Melancholie für Fortgeschrittene" beschreibt sie diese Zeit 1981 als Leben im Versteck und in beständiger Angst. Die 68er-Bewegung erreichte für Pusch nur eine Befreiung der heterosexuellen Frau - Lesben und Schwule kamen erst ein knappes Jahrzehnt später. "Bis zum 41. Lebensjahr war mein Leben schwierig, chaotisch und gestört durch gesellschaftliche Umstände", sagt sie. Anfang der Achtzigerjahre wird der Geist der jungen Linguistik-Studentin außerdem geweckt, als sie in einem Artikel der US-Linguistin Robin Lakoff die feministische Sprachwissenschaft entdeckt. Zusammen mit anderen Linguistinnen veröffentlicht sie 1980 die ersten deutschsprachigen "Richtlinien zur Vermeidung sexistischen Sprachgebrauchs". Sie forciert das "Binnen-I" (zum Beispiel: SchülerIn) oder Doppelnennungen (Schülerinnen und Schüler). Die gefeierte promovierte junge Forscherin begeistert jedoch nur ihre Studentinnen. Die damals ausschließlich männlichen Professoren halten sie von da an für verrückt und laden sie nicht mehr zu Vorstellungsgesprächen ein. Pusch macht außerhalb der Uni Karriere: Suhrkamp veröffentlicht ihr Werk "Das Deutsche als Männersprache" (1984), sie hält Vorträge in Europa und den USA und lebt von da an als Publizistin. Ein weiteres Lebenswerk: die Sammlung von Biografien bedeutender Frauen. 1999 und 2001 erscheinen zwei Bände unter dem Titel "Berühmte Frauen: 300 Portraits". Noch vor Wikipedia macht die computer-affine Forscherin diese Datenbank 2001 öffentlich und digital zugänglich.

Sprachkritik als Gesellschaftskritik
In "Eins zu Eins. Der Talk" erzählt Luise F. Pusch Moderator Stefan Parrisius, warum Gesellschaftskritik gut im Gewand der Sprachkritik daherkommt und warum ihrer Meinung nach ein Mann einer Frau ein besserer Therapeut ist.

Eins zu Eins. Der Talk

Erfahrungen und Einsichten, einschneidende Erlebnisse und große Erfolge: Biografische Gespräche mit Menschen, die eine spannende Lebensgeschichte oder einen außergewöhnlichen Beruf haben.

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