Bayern 2

Hörspiel Musil: Der Mann ohne Eigenschaften. Remix (Teile 15, 16, 17)

Robert Musil | Bild: BR/Rowohlt Archiv

Samstag, 16.09.2017
15:05 bis 16:45 Uhr

Bayern 2

Der Mann ohne Eigenschaften. Remix (Teile 15, 16, 17)
Von Robert Musil
Mit Manfred Zapatka, Ulrich Matthes, Ulli Maier, Susanne Wolff, Oliver Stern und Elfriede Jelinek
Wissenschaftliche Beratung: Walter Fanta
Konzept und Skript: Katarina Agathos/Herbert Kapfer
Skript und Regie: Klaus Buhlert
BR 2004
Als Podcast verfügbar im Hörspiel Pool

Weltberühmt und ohne Leser: Auf diese ebenso paradoxe wie griffige Formel ließe sich vielleicht die Wirkungsgeschichte von Musils Roman Der Mann ohne Eigenschaften kurz und bündig bringen. Aber damit ist die Methode der Vereinfachung auch schon mit ihrem Latein am Ende. Zum Beispiel, was heißt schon 'Roman' in diesem Fall? Von einem Romanprojekt kann die Rede sein, besser noch von einem Schreibexperiment, das seinen Autor zwanzig Jahre vollkommen beanspruchte und bis zum Ende seines Lebens - 1942 - nicht losließ. Der Mann ohne Eigenschaften blieb unvollendet, Torso, Fragment. Die zu Lebzeiten veröffentlichten Teile hatten ein Volumen von mehr als 1.600 Druckseiten; die Entwürfe im Nachlass des Autors umfassten circa 6.000 Manuskriptseiten. Der Mann ohne Eigenschaften als vielschichtige, nicht abgeschlossene Textkonstruktion, über die ihr Urheber die Nachwelt wissen lässt: "Am liebsten wäre mir, ich würde am Ende einer Seite mitten in einem Satz mit einem Komma aufhören."

Geldmangel, Krankheit, politische Umstände und das Scheitern an seinen eigenen Ansprüchen - es gibt viele Gründe, warum der Roman unvollendet blieb. Dennoch hinterließ Musil ein Werk, das an literarischer Brillanz, an sprachlicher Präzision, Ideenfülle und Identifikationspotenzial kaum zu überbieten ist. Die Machtübernahme der Nazis 1933 und die Angliederung Österreichs an das Deutsche Reich 1938 verhinderten die Veröffentlichung einer Zwischenfortsetzung des Romans. Notizen und Entwürfe aus dem Nachlass zeigen, dass Musil vorhatte, dem Roman im Finale eine ganz neue Wendung zu geben.

Der Mann ohne Eigenschaften. Remix präsentiert erstmals eine künstlerische Darstellung des Schreibexperiments Musils in seiner Gesamtheit. Die Produktion des Bayerischen Rundfunks, die im Zeitraum von 2002 bis 2004 entstand, stützte sich dabei auf die damals noch unveröffentlichte kommentierte digitale Ausgabe von Walter Fanta, Klaus Amann und Karl Corino mit sämtlichen Werken, Briefen und nachgelassenen Schriften Musils, sowie die laufende Forschung des Robert-Musil-Instituts für Literaturforschung der Universität Klagenfurt.

Ein Remix im Bereich der Pop-Musik ist die Neuabmischung eines Songs oder Tracks, die die Tanzbarkeit erhöhen soll. Beim Mann ohne Eigenschaften bezieht sich der Terminus Remix dagegen nur in zweiter Linie auf die Soundästhetik und die Arbeit im Studio. In erster Linie gemeint ist ein Spiel mit Möglichkeiten, das aus einem Konvolut von Materialien schöpft, aus Musils veröffentlichten und unveröffentlichten Texten, aber auch aus Gesprächen, die für diese Produktion geführt und aufgenommen wurden. Der Remix-Begriff umfasst weiter die Einbeziehung von Elfriede Jelineks im Studio aufgenommener Paraphrase und die Integration von verschiedenen Aufnahmen mit Künstlern und Forschern, etwa mit dem Musil-Biografen Karl Corino, mit Alexander Kluge, Volker Schlöndorff und anderen. Der Remix spielt mit Optionen bzw. Varianten von Handlungsabläufen und führt damit zu Musils Schreibexperiment zurück, das in Permanenz einen Gegenstand umkreist und in den verschiedensten Formen der Darstellungen erprobt. Gleichzeitig beinhaltet der Remix keineswegs eine explizite Beschränkung auf den Musilschen Text, vielmehr wird vom Roman weg erzählt und reflektiert.

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