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Tropenmediziner über das Zika-Virus "Kein gravierendes Risiko" bei den Olympischen Spielen

Schwangere sollen nicht in Regionen reisen, in denen das Zika-Virus verbreitet ist. Dass Sportler ihre Olympia-Teilnahme absagen, sei aber übertrieben, betonte der Tropenmediziner Jonas Schmidt-Chanasit in der radioWelt auf Bayern 2.

Stand: 08.06.2016

Der Tropenmediziner Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg stuft die Angst vor dem Zika-Virus als übertrieben ein. Wer die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Brasilien wegen des Zika-Virus absage, fälle "definitiv eine voreiliege Entscheidung", erklärte Schmidt-Chanasit im Interview mit der radioWelt auf Bayern 2.

"Die Spiele werden stattfinden"

Ein Experten-Team der WHO prüft derzeit, inwieweit das Zika-Virus die Olympischen Spiele gefährden kann. Nach Meinung des Hamburger Tropenmediziners wird das Team zu dem Schluss kommen, dass "kein gravierendes Risiko von diesen Spielen ausgehen wird". Sein Fazit: "Die Spiele werden stattfinden, das käme ja sonst einem Boykott gleich."
Dass Sportler ihre Teilnahme aus Angst vor dem Zika-Virus bereits abgesagt haben, hält Prof. Schmidt-Chanasit für eine voreilige Entscheidung. Wenn man es wegen des Zika-Virus absagt, könne man genauso sagen, man sage wegen des Dengue-Virus ab oder wegen zig anderer Viren, betonte er.

Auf Mückenschutz achten

Prof. Jonas Schmidt-Chanasit wies dennoch daraufhin, dass es wichtig sei, sich vor einer Reise in die Tropen richtig beraten zu lassen. Dass sei für die Athleten bereits passiert.

"Mückenschutz ist ganz wichtig, man muss sich mit diesen Sprays einsprühen und das betrifft eben dann nicht nur das Zika-Virus, sondern alle anderen Viren, die in Brasilien von Stechmücken übertragen werden."

Prof. Jonas Schmidt-Chanasit

In welchen Ländern ist das Zika-Virus verbreitet?

Brasilien

In Brasilien lag die Zahl der Zika-Fälle in den ersten beiden Monaten des Jahres 2017 noch bei 1.653, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren 30.683 Infektionen registriert worden. Nach WHO-Angaben gab es im Zeitraum Oktober 2015 bis Juli 2016 in Brasilien geschätzte 1,5 Millionen Zika-Fälle. (Stand: 16.03.2017)

Kolumbien

Kolumbien meldete rund 100.000 Zika-Fälle. Bisher gab es 256 bestätigte Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen. Eine Warnung an Frauen, geplante Schwangerschaften aufzuschieben, wurde inzwischen aufgehoben. (Stand: 26.07.2016)

Venezuela

Am 12. Februar 2016 hatte Venezuela erste Todesfälle durch Zika bestätigt. Mindestens drei Menschen seien an Komplikationen gestorben, die mit dem Virus zusammenhingen, sagte Präsident Nicolas Maduro. (Stand: 12.02.2016)

Chile

Erstmals seit Jahrzehnten war in Chile eine Ägyptische Tigermücke in der Stadt Arica im Norden des Landes entdeckt worden. Bislang gab es sie nur auf den zu Chile gehörenden Osterinseln im Pazifik. (Stand: 19.04.2016)

El Salvador

Mehr als 7.000 Zika-Verdachtsfälle wurden in El Salvador registriert. (Stand: 11.02.2016)

Honduras

Honduras hatte wegen des Zika-Virus den nationalen Notfall erklärt. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden mehr als 4.400 Verdachtsfälle registriert, 57 Krankheitsfälle bestätigt, ein Mensch starb an den Folgen des Guillain-Barré-Syndroms. (Stand: 11.03.2016)

Puerto Rico

Auf der zu den USA gehörenden Karibikinsel Puerto Rico wurden 436 Zika-Fälle registriert. Ein infizierter Patient verstarb Ende April 2016 an Komplikationen. (Stand: 29.04.2016)

Mexiko

In Mexiko gab es landesweit rund 80 Zika-Fälle, darunter waren sechs Fälle bei Schwangeren. (Stand: 17.02.2016)

Kuba

Kuba meldete den ersten auf der Insel übertragenen Zika-Fall. Zuvor war von einer Handvoll Fälle berichtet worden, die sich im Ausland angesteckt hatten. (Stand: 16.03.2016)

Hawaii

Auf Hawaii gab es nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC vier Zika-Fälle, alle bei Rückkehrern aus Epidemie-Gebieten. (Stand: 02.03.2016)

Kanada

Kanada meldete mutmaßlich den ersten sexuell übertragenen Zika-Fall. (Stand: 25.04.2016)

Kapverden

Von den Kapverden wurden mehr als 7.000 Zika-Verdachtsfälle gemeldet. (Stand: 15.02.2016)

Philippinen

Die Philippinen hatten den seit Jahren ersten Zika-Fall gemeldet. (Stand: 07.03.2016)

Vietnam

In Vietnam waren 23 Menschen an dem Zika-Virus erkrankt, wie die staatliche Agentur Vietnam News Agency berichtete. (Stand: 01.11.2016)

China

Am 10. Februar wurde der erste Zika-Fall aus China gemeldet. (Stand: 10.02.2016)

Russland

In Russland wurde erstmals eine Infektion bei einem Reiserückkehrer nachgewiesen. (Stand: 15.02.2016)

Slowakei

Am 25. Februar wurde der erste Zika-Fall aus der Slowakei gemeldet, ebenfalls bei einem Reiserückkehrer. (Stand: 25.02.2016)

Spanien

In Spanien gab es den ersten Fall von Mikrozephalie bei einem Neugeborenen. Nach offiziellen Angaben waren in dem Land 105 Menschen mit dem Zika-Virus infiziert, davon 13 schwangere Frauen. (Stand: 06.05.2016)

Frankreich

In Frankreich wurde im Oktober 2016 in der Nähe von Straßburg Mückenmittel eingesetzt, um die dort bereits verbreitete Tigermücke zu bekämpfen, nachdem ein Fall von Zika-Infektion auftauchte. (Stand: 07.10.2016)

Deutschland

In Deutschland gilt seit 1. Mai 2016 eine amtliche Meldepflicht für das Zika-Virus. Die Zahl der bekannten Infektionen war auf 204 gestiegen. Betroffen waren fast ausnahmslos Reiserückkehrer. (Stand: 01.11.2016)

Guinea-Bissau

Im westafrikanischen Guinea-Bissau wurde bei drei Menschen eine Infektion mit dem Zika-Virus diagnostiziert. Unklar ist, ob es sich um denselben Erregerstamm handelt, der in Brasilien und anderen Ländern Lateinamerikas mit Mikrozephalie in Verbindung gebracht wird. (Stand: 04.07.2016)

USA

In den USA wurden mehr als 1.650 Zika-Infektionen registriert. Betroffen waren jedoch meist Patienten nach Reisen in Mittel- und Südamerika und der Karibik. (Stand: 01.08.2016)

Südostasien u. Malediven

In Thailand wurden zwei Babys mit Mikrozephalie bekannt, vermutlich ausgelöst durch das Zika-Virus. Weitere Fälle wurden nach Angaben der WHO auch aus Singapur, den Philippinen, Malaysia und Vietnam gemeldet. Keines dieser Lander konnte bislang jedoch bei Babys mit Schädelfehlbildungen eine Zika-Infektion nachweisen. Auch von den Malediven brachten Reiserückkehrer das Zika-Virus nach Deutschland mit. (Stand: 30.09.2016)


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