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Kommentar Das rückwärtsgewandte Arbeitszimmer-Urteil des Bundesfinanzhofs

Wer ab und zu zu Hause arbeitet, der kann auch in Zukunft sein heimisches Büro nicht von der Steuer absetzen, wenn er darin etwas Privates tut. Bügeln zum Beispiel. Das ist absurd, meint Wolfram Schrag. Ein radioWelt-Kommentar.

Von: Wolfram Schrag

Stand: 27.01.2016

Steuererklärung | Bild: colourbox.com

Deutschland hat auf dem Weg in die digitale Zukunft wieder mal ein Päuschen eingelegt. Nur nicht so schnell. Dieses Mal saßen die Richterinnen und Richter des Bundesfinanzhofs im Bremserhäuschen.

Gericht übersieht die Realität der modernen Arbeitswelt

Häusliches Arbeitszimmer | Bild: Christoph Arnowski/BR zum Video mit Informationen Bundesfinanzhof zu Arbeitszimmer Alles bleibt beim Alten

Seit vielen Jahren streiten Steuerzahler mit Finanzämtern wegen ihrer privaten Arbeitszimmer. Die Hoffnung, die Kosten in größerem Umfang als bisher steuermindernd geltend zu machen, ist geplatzt. In einer Grundsatzentscheidung hat der Bundesfinanzhof geurteilt: Es bleibt alles beim Alten. Von Christoph Arnowski [mehr]

Eigentlich ging es nur um das häusliche Arbeitszimmer. Kurz gesagt, wer sein Arbeitszimmer zu Hause nicht ausschließlich oder nahezu ausschließlich für berufliche oder betriebliche Zwecke nutzt, kann die Kosten für dieses Zimmer nicht steuermindernd geltend machen.

Aber, was hat das nun mit der Digitalisierung zu tun? Mehr als der BFH es jedenfalls für möglich hält. Er blendet nämlich die moderne Arbeitswelt aus.

Für die Richterinnen und Richter des Großen Senats geht es vornehmlich um die Frage, ob und inwieweit in einem Einfamilienhaus ein Arbeitszimmer beruflich genutzt wird. Soll es den Anforderungen der Steuerbehörden genügen, muss es schon nach dem Gesetz wie ein ordentliches Büro aussehen. Schränke, Leitz-Ordner, Schreibtisch und so weiter. Und es sei jedenfalls dann kein Arbeitszimmer, wenn es auch noch als Gäste- oder Achtung, Bügelzimmer benutzt wird.

Wer in seiner Zwei-Zimmer-Wohnung arbeitet, kann nichts absetzen

Man möchte laut schreien: Wie viel Menschen stellen sich die Frage, ob man das Büro als Bügelzimmer nutzt oder nicht. Wie sieht die moderne Arbeitswelt aus? Wer zu Hause arbeitet, lebt meist in einer Großstadt und kann sich nur eine Zwei-Zimmer-Wohnung leisten. Ein Raum zum Leben und einer zum Arbeiten.
Wichtig sind für diese Beschäftigten ein Computer und eine schnelle Internetverbindung. Der Auftraggeber für Internetseiten oder Algorithmen hat nämlich auch keine Schreibtische. Von Bügelzimmer also keine Spur.

Keine Änderungen absehbar

Diese Zwei-Raum-Nutzer zahlen zwar brav Einkommen- und Umsatzsteuer, doch werden sie weiter keine Chance haben, die Raumkosten bei der Steuer abzusetzen. Eine Aufteilung der Raumnutzung in 60 Prozent Arbeit und 40 Prozent Privates geht nicht. Es gibt nichts abzusetzen, jedenfalls von den Raumkosten.

Dabei wäre es gegangen, so wie es bei Computer, Bürostuhl oder Regal auch geht. Immerhin hatten Finanzgerichte und ein Senat des Bundesfinanzhofs eine solche Meinung vertreten. Doch der wollte der Große Senat nicht folgen.

Auch vom Gesetzgeber ist nichts zu erwarten. Das Finanzministerium fürchtet sich nämlich auch vor Bügelbrettern in Arbeitszimmern.


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