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Kommentar Die zweite Stammstrecke kommt - trotz besserer Alternativen

Die Debatte um die zweite S-Bahn-Röhre auf der Stammstrecke in München tobt seit 20 Jahren. Endet sie jetzt mit einer guten Lösung? Peter Kveton ist skeptisch. Ein radioWelt-Kommentar.

Von: Peter Kveton

Stand: 26.10.2016

Endlich, möchte man es geradezu herausschreien, endlich geht es voran beim Ausbau der Münchner S-Bahn. Endlich nehmen die Verantwortlichen jene Milliarden in die Hand, die es braucht, um den öffentlichen Personennahverkehr in und um München voranzubringen. Dumm nur, dass die Mittel falsch eingesetzt werden.

Wird die Lage am Hauptbahnhof und Marienplatz entzerrt?

Seit 20 Jahren steht die Planung für die zweite Röhre schon, seit 20 Jahren werden ernstzunehmende Verkehrsplaner und Politiker nicht müde zu erklären, warum die zweite Röhre nicht wirklich hilft, stattdessen die vorhandenen Probleme möglicherweise noch verschärft.

Joachim Herrmann | Bild: picture-alliance/dpa zum Audio mit Informationen Verkehrsminister Joachim Herrmann "Ausbau des Nahverkehrs ist dringend notwendig"

Es ist höchste Zeit, dass die Stammstrecke in München eine zweite S-Bahn-Röhre bekommt, Das hat Bayerns Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) in der radioWelt auf Bayern 2 betont. [mehr]

Statt die Situation an den innerstädtischen, sowieso schon überlasteten Knotenpunkten Hauptbahnhof und Marienplatz zu entzerren, werden noch mehr Menschen hierhertransportiert – und die müssen dann jede Menge Rolltreppen benutzen und Zeit mitnehmen, bis sie die Oberfläche erreichen. Seit 20 Jahren wird einseitig auf diese bis zu 40 Meter tiefe Röhre gesetzt, Staatsregierung und Verwaltung verweigern sich seitdem erfolgreich allen Alternativen.

Dass möglicherweise nun bis zu vier Milliarden Euro recht sinnlos verbuddelt werden könnten, scheint kaum jemanden zu stören. Hauptsache die 20 Jahre alte und zugegebenermaßen recht ermüdende Diskussion um die zweite Stammstrecke ist beendet. Nun, heißt es allerorten, könne man sich ja den S-Bahn-Projekten widmen, die der Metropolregion München wirklich helfen – also vor allem einem Ringschluss und den Außenästen.

Bald in einem Atemzug genannt mit Stuttgart 21?

Würde man die zweite Stammstrecke heute neu planen – das Projekt sähe ganz anders aus. Beste Voraussetzungen dafür, dass die zweite Stammstrecke künftig in einem Atemzug genannt wird mit dem Bau der A94 nach Passau oder Stuttgart 21. So ist die zweite Röhre ein weiteres Armutszeugnis für die Politik – und wieder einmal ein ziemlich teures.


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