Bayern 2 - radioWelt


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Ende der Welt Alpenpakt

Es tut sich wieder mal was zwischen CDU und CSU.

Von: Helmut Schleich

Stand: 19.05.2017

Nicht nur, dass die vom Dauerkrisenzustand geprägte Polit-Ehe Merkel/Seehofer nach der Wahl in NRW so etwas wie einen zweiten Frühling erlebt, inklusive Flitterwochen in München und Berlin. Dort treffen sich am Sonntag: Merkel, Schäuble und Tauber auf der einen Seite mit Seehofer, Scheuer und Dobrindt auf der anderen. Das wäre noch vor ein paar Wochen ohne Blauhelm-Truppen unmöglich gewesen. Nein. Rund um Theo -Augenbraue- Waigel hat sich aus den  CSU- Altvorderen Glück, Huber und Hans Maier jetzt sogar ein Unterstützerkreis für Angela Merkel  formiert.

Hans Maier? Der intensiv katholische und Dauer-Orgel spielende Kultusminister meiner Schulzeit. Wie haben wir damals in der Schülerzeitung geschrieben: Was ist der Unterschied zwischen dem Kultusminister Maier und einem Terroristen? Der Terrorist hat Sympathisanten. Die hatten wir nach diesem Witz nicht mehr, zumindest nicht im Direktorat, aber ich will nicht abschweifen.

Zurück zum Merkel Fanclub. Wenn man das Alter der vier Initiatoren addiert, könnte man  wohl vom Bündnis 300 sprechen. Vier altgediente Politrocker lassen’s noch mal so richtig krachen und sagen Ja! zu Angela. Waigel, Glück, Huber und Maier rangieren als die Hell’s Angelas den Schulz-Zug endgültig aufs Abstellgleis. Und wie perfide sie das angehen wollen: Aktionen seien in dem Sinn keine geplant, hat’s gestern in München geheißen, ein bis zwei Anzeigen wolle man schalten und sich demnächst einmal mit Frau Dr. Merkel treffen.

Ganz neu sind solche Bündnisse in der Parteienlandschaft übrigens nicht

Vieles hat der Würselener Gottkanzler Schulz einkalkuliert, aber ein bis zwei Anzeigen und ein Treffen mit Merkel. Das wird dem ehemaligen Hoffnungsträger der Sozis endgültig das Wasser abdrehen.

Ganz neu sind solche Bündnisse in der Parteienlandschaft übrigens nicht. Das hat es immer mal wieder gegeben. Man denke an die Pizza- Connection oder den Seeheimer Kreis, eine Art Arbeitskreis CDUler in der SPD. Oder nehmen Sie den legendären Anden-Pakt. Das war ein Bündnis von damals Jungen CDUlern, die die Partei in den frühen 80ern von innen heraus erneuern wollten.

Dass Mitglieder wie Oettinger und Koch darüber später selber zu Gruselgestalten geworden sind ist ein anderes Thema, aber im Zusammenhang mit der Waigelschen CSU- Merkel- Connection sprechen manche analog zum Andenpakt jetzt schon vom Alpenpakt. Dabei würde Altenpakt doch viel besser zutreffen. Motto: „Vier Alte für die Alte und alles bleibt beim Alten“!

Eben alles eine Frage der Perspektive.


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