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Ende der Welt Sauberer Schnitt

Manchmal tut eine gehörige Portion Galgenhumor gut. Kleiner psychologischer Kniff, um aus einer ausweglosen Situation zumindest mental irgendwie rauszukommen. So wie bei Räuber Kneißl, der an einem Montag erfuhr, dass er exekutiert werden sollte und trocken reagierte: "De Woch fangt scho guat o". Am Freitag wurde Kneißl dann recht kopflos und schweigsam.

Von: Katharina Hübel

Stand: 20.03.2017

Verantwortlich dafür war eine Guillotine. Da hätte Kneißl jetzt auf Napoleon sauer sein können, denn der hat die Guillotine in die deutschen Lande gebracht. Die technische Revolution der französischen Revolution. Sinnbild für Gerechtigkeit und Gleichheit.

Das Tolle war nämlich, dass vor 225 Jahren, als sie in Paris eingeführt wurde, ab sofort nicht mehr nach Standesunterschied hingerichtet wurde. Es war ja auch wirklich gemein: Für die einfachen Leute hatte die Justiz in vorrevolutionären Zeiten viel Kreativität übrig: Galgen für Diebe, Scheiterhaufen für Ketzer, Falschmünzer wurden sogar bei lebendigem Leib gekocht; nur der oberste Stand, der wurde immer nur enthauptet.

Galt zwar als Privileg, für das sich andere hätten vierteilen lassen, aber ein wenig fantasielos war das schon. Mit der Guillotine herrschte dann: gleiches Recht für alle. Ob Dieb, ob König, ob Stoibers Blümchen: die Guillotine wird’s schon richten. Auch wenn man durchaus den Kopf schütteln und finden kann: Etwas übertrieben haben es die Franzosen damit schon: Der erste Guillotinierte hatte grad mal eine Brieftasche entwendet.

Wer wird denn da gleich den Kopf verlieren und die Todesstrafe verhängen! Aber es waren keine einfachen Zeiten. Und die Guillotine eine echte humanitäre Leistung des französischen Arztes Joseph-Ignace Guillotin. Er mischte auch in der Politik mit und forderte so seltsame Dinge wie Kuhpockenimpfung für alle, mehr dritter Stand in die Politik oder sogar: Pressefreiheit.

Außerdem zettelte er die Französische Revolution mit an. Kein Wunder, dass seinem Hirn auch die Idee für eine humane Hinrichtungsmethode entsprang. Er fand: Das mit der Axt verläuft nicht immer so reibungslos, im wahrsten Sinne des Wortes.

Doch dass jetzt dieses Todesinstrument, von einem deutschen Cembalobauer konstruiert und von den Schotten erfunden, ausgerechnet seinen Namen tragen sollte – Guillotine, das hat den guten alten Guillotin dann doch echt fertig gemacht, auch wenn es an sich eine recht fein geschliffene Sache war.

Ihm war nicht nach Galgenhumor oder sagen wir besser: Fallbeilhumor

Dabei, Ironie des Schicksals: Ausgerechnet die Presse, für deren Freiheit er sich eingesetzt hatte, fand es so schneidig, das Fallbeil nach Guillotin zu benennen. Am liebsten hätte er gesagt: Zum Henker mit der Todesstrafe!

Aber das war dann damals doch zu revolutionär. Finden übrigens die Hessen heute immer noch. Sie können sich nach wie vor nicht von Artikel 21, der Todesstrafe, trennen. Dabei wäre es so einfach. Man müsste nur Guillotin fragen: ein einziger, klarer, sauberer Schnitt. Und ab ist er, der Artikel 21. Ganz schmerzfrei. Eine Entscheidung, gefällt für die Humanität.


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