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André Wüstner, Bundeswehrverband Die Bundeswehr - ein Haus, an dem einiges wegbröckelt

Die Bundeswehr ist ihren Anforderungen nicht mehr gewachsen, wenn die Politik nicht bald mehr Geld investiert, meint André Wüstner vom Deutschen Bundeswehrverband. Im radioWelt-Interview vergleicht er die Armee mit einem Haus, das verfällt.

Stand: 26.01.2016

Zur Person

André Wüstner ist Bundesvorsitzender des Deutschen Bundeswehrverbandes. Dieser hat nach eigenen Angaben 190.000 Mitglieder – aktive Soldaten, Reservisten, Ehemalige und Hinterbliebene, zivile Angehörige der Bundeswehr sowie fördernde Mitglieder.

Der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes verlangt mehr Geld für Personal und Material bei der Bundeswehr.

"Ich hoffe, mit Blick auf die Sensibilisierung durch den Kampf gegen den IS, Russland, Ukraine, dass man noch in diesem Jahr entsprechend handelt und Folgerungen ableitet, weil so kann es nicht mehr weitergehen“, sagte André Wüstner in der radioWelt auf Bayern 2.

Nach den Worten Wüstners erfordert der Kampf gegen den so genannten Islamischen Staat einen erhöhten Materialbedarf. Die Probleme, die beispielsweise bei den deutschen Aufklärungstornados aufgetreten seien, seien das Ergebnis einer jahrelangen Sparpolitik.

"Das ist wie mit einem Haus. Wenn ich ewig nicht investiere, obwohl ich erkenne, alles bröckelt weg, dann brauche ich mich nicht irgendwann wundern, dass ich kaum noch hinterherkomme."

André Wüstner

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André Wüstner sagte im radioWelt-Interview auf Bayern 2: "Wenn ich eben im Jahre 2010/2011 die Sparschraube so anziehe, dass ich keine Ersatzteile mehr bekomme, keine Modernisierung mehr einleiten kann, ob bei Gerät oder bei Infrastruktur, dann ist vollkommend klar was fünf Jahre später los ist. Deswegen muss jetzt Frau von der Leyen jetzt sagen, wie sie das über die nächsten zehn Jahre lösen will, wie sie den Materialbedarf angehen möchte und sie muss mit Herrn Schäuble abstimmen wie sie das finanzieren will."

Einen Grund für die Unterfinanzierung der Bundeswehr sieht Wüstner auch in der veränderten politischen Lage. "Alle dachten Afghanistan läuft aus, niemand hat an den Nordirak gedacht. Mali – damals dachte man in zwei Jahren ist man fertig. Jetzt diskutiert man schon über Libyen. Russland, Ukraine, das hatte keiner auf dem Schirm und man dachte, man macht eine kleine Bundeswehr, die nur noch für kleine UN-Einsätze da ist.

"Die Politik stellt von heute auf morgen an die Bundeswehr komplett neue Anforderungen."

André Wüstner


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