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Kommentar Nationalpark-Entscheidung - es gibt nur Verlierer

Wohin soll Bayerns dritter Nationalpark kommen? In der engeren Auswahl sind noch die Rhön und die Donauauen. Die Suche nach einem Standort ist ein unwürdiges Spiel, meint Johanna Stadler. Ein radioWelt-Kommentar.

Stand: 19.07.2017

Die Donauauen | Bild: picture-alliance/dpa

Der Jubel ist groß – bei den Verlierern.

Und bei den Gewinnern – da gibt es lange Gesichter.

Ein bemerkenswertes Ergebnis also.

Und: Es gibt zwei Gewinner und zwei Verlierer. Die endgültige Entscheidung ist vertagt.

So unbefriedigend ist also der Stand der Dinge bei einem Thema, das Horst Seehofer vor einem Jahr zur Chefsache erklärt hat.

Seehofers grünes Mäntelchen

Nicht dass Seehofer damals zu einem Grünen mutiert wäre. Das ist ja auch kaum anzunehmen von einem, der zum Beispiel das Riedberger Horn und den Alpenplan einer fraglichen Skischaukel opfert.

Es ging und geht wohl eher darum, der CSU ein grünes Mäntelchen anzuziehen und sich ein paar Wertkonservative und Naturschützer gewogen zu machen.

Minimallösung vor der Bundestagswahl

Aber auch die die Nationalparkkritiker sollen nicht ganz verschreckt werden zumindest nicht vor der Bundestagswahl – und deswegen gibt’s jetzt nur eine Minimallösung, Spessart und Frankenwald sind draußen, die anderen beiden eine Runde weiter. Ein Zugewinn an naturfachlichen Argumenten ist zwar bis Herbst nicht zu erwarten, was zählt, ist der Zeitgewinn.

Nationalparkskeptiker werden also in den nächsten Wochen nur noch in in den Donauauen und in der Rhön auflaufen – sei es, weil sie ihre Jagdgründe bedroht sehen, weil sie Arbeitsplätze in Gefahr wähnen oder die Holzernte. 

Wer dagegen von Naturjuwelen schwärmt oder von  einem "Eldorado der Biodiversität" macht da keinen Stich.

Debatte verkürzt und zaghaft

"Wir – oder die Gelbbauchunke" - darauf scheint sich die Debatte verkürzt zu haben.

Das ist kein Wunder, denn was ist der Ankündigung vom vergangenen Jahr gefolgt: Nichts.

Viel zu spät und zu zaghaft hat die Staatsregierung die Werbetrommel gerührt nach dem Motto: Leute, ihr habt nichts zu verlieren, sondern könnt nur gewinnen können: Zum Beispiel durch sanften Tourismus, der neue Arbeitsplätze schafft. Durch begleitende Investitionen, die euch unmittelbar nützen - etwa bessere Internetverbindungen oder mehr öffentlichen Nahverkehr? 

So wären auch diejenigen, die den Wert eines Nationalparks nicht per se erkennen, zu befrieden gewesen.

Der Nationalpark, den die Menschen als Geschenk hätten sehen können, er ist zum Zankapfel mutiert – allerdings nicht erst im zurückliegenden Jahr.

Der Steigerwald als ideale Lösung - längst aus dem Rennen

Die unrühmliche Vorgeschichte hat einen Namen: Steigerwald. Aus Sicht der Fachleute wäre der Steigerwald eindeutig die allerbeste Wahl gewesen. Alte, große Buchenwälder, ein zusammenhängendes unzerschnittenes Gebiet, alles komplett im Staatsbesitz - ideal.

Doch eine Betonfraktion vor Ort unter Führung von Innenstaatssekretär Gerhard Eck hat dies im Vorfeld verhindert. Hat die fachlichen Argumente ignoriert und ein Politikum aus dem Thema gemacht. Und ist nun dafür verantwortlich, dass es beim Wettbewerb um einen Dritten Nationalpark in Bayern in Wahrheit keinen wirklichen Gewinner, sondern nur Verlierer geben kann.


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