Bayern 2 - radioWelt


4

Arm und reich Ungleich? Selber schuld

Die armen Reichen! Ihnen entgeht was. Nur Arme neigen zu Fettleibigkeit und nur Dicke sind fröhlich, heißt es... Oder? Schluss mit dem Unsinn. Arm sein, das will doch keiner. Sollen die Armen halt versuchen, dass sie mit dem arm sein aufhören.

Von: Norbert Joa

Stand: 27.01.2016

"Armut!" an einer Wand geschrieben | Bild: picture-alliance/dpa

Das Satireblatt POSTILLON meldet: „62 fleißigste Menschen genauso reich wie 3,7 Milliarden Faulste zusammen.“ Gut erkannt – während der Rest herum nölt, dass die Vermögen auf Erden zu ungleich verteilt seien. So Neidgeschichten halt.

Bis einer dann vorrechnete, dass es nicht 60, sondern eher 200 Superreiche sind, denen genauso viel gehört wie der halben Menschheit. Also, mal hübsch den Ball flach halten.

Und wo gern auf Milliardäre losgegangen wird, kann man auch mal fragen, warum der ärmeren Hälfte der Deutschen nur ein Prozent des Volksvermögens gehört. Vor 20 Jahren waren es noch drei Prozent. Ganz einfach – alles verprasst, nix gespart, kaum Aktien, Hedgefonds oder Malerei des Expressionismus erworben, kein drittes Mietshaus in München.

Dafür alles in Flachbildschirme, Bier und Pommes gesteckt. Arme sind übrigens dreimal häufiger dick als Reiche. Und Dicke sind bekanntlich fröhlicher – ist das gerecht? Arme sterben im Mittel auch zehn Jahre früher und sparen sich so enorme Fixkosten.

Geld ausgeben solange man es hat!

Ein Armer schrieb voller Häme auf Facebook: „Das haben sie nicht, die Reichen: das Lachen der Nachbarskinder über die Schrottkarre, die im Winter nicht anspringt… und das Gefühl von Regen auf der Haut, wenn der Bus nicht kommt.“

Ätsch. Wer ko, der ko.

Oder auch nicht.

Liliane Bettencourt ist 93 und besitzt 37 Milliarden – jetzt aber los mit dem Ausgeben. Mark Zuckerberg dagegen hat nur vier Milliarden mehr und ist erst 31 – also gut einteilen. Und das mit dem Herschenken nochmal überdenken.

Und wie gerecht ist das denn: der reichste Deutsche liegt weltweit auf Platz 25 – Schäffler, Kugellager. 23 Milliarden. Woran liegt es, dass man hier auf keinen oberen grünen Zweig kommt? Lohnt sich Leistung nicht ?

Arm sein - das bringt es nicht

Jüngst fragte mein Sohn, was Erzieherinnen und Altenpfleger so verdienen. – 1600 netto. Pause, dann: Das bringts ja null. – Clever.

Selber schuld, wer sich um Kinder und Alte kümmert. Man kann seine Zeit lohnender verbringen – an der Börse oder mit neuen Apps. Und unsere Jugend ist durchaus lernfähig – „intakte Natur zu erleben“ gehört nur noch für ein Fünftel der 14 bis 25Jährigen zu einem guten Leben. Wichtiger dagegen Konsum und Markenkleider und Unterhaltungselektronik. Man kenne zwar die üblen Zustände in Bangladesch, kaufe aber trotzdem bei Billigketten.

Von wegen brüderlich und frei und gleich. Doch schon naht unverhoffte Rettung. Vom Kapitalismus himself. Denn aus Davos heißt es, die digitale Revolution werde sehr bald sehr viele Jobs in der Mittelschicht kosten und man müsse dringend übers Grundeinkommen sprechen.

Tausend Euro im Monat, leistungslos. Für alle gleich. Wenn das Karl Marx noch erlebt hätte.


4