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Algorithmus des Lebens Weltherrschaft durch Mathematik

Der neue Rhythmus des Lebens ist der Algorithmus. Er gibt schon lange den Takt vor: Schon seit der Steinzeit der Technologie. Jedes Münztelefon, jede Ampelschaltung folgt seiner Logik. Ein Ende der Welt von Katharina Hübel.

Von: Katharina Hübel

Stand: 22.04.2016

Gehirn und Binärcode | Bild: colourbox.de

Der neue Rhythmus des Lebens

Mondphasen, Jahreszeiten, Ebbe und Flut – schön, die Vorstellung vom Rhythmus der Natur, der angeblich auch unser Leben prägt. Aber jetzt kommt die befreiende Nachricht für alle, die schon Reizhusten vom Räucherstäbcheninhalieren haben: Die Mondphasen sind überschrieben von einem ganz anderen Programm. Der neue Rhythmus des Lebens ist der Algorithmus. Er gibt schon lange den Takt vor.

Fehlerfrei und Dienst nach Rechenvorschrift

Schon seit der Steinzeit der Technologie. Jedes Münztelefon, jede Ampelschaltung folgt seiner Logik. Kein Smartphone, keine Suchmaschine funktioniert ohne ihn. Er folgt Rechenschritten, die genau festgelegt sind. Er macht Dienst nach Rechenvorschrift und ist deswegen unschlagbar. Am besten Sie knicken das mit dem angeblichen freien Willen, den großen Gefühlen und der hoch gelobten Entscheidungsfreiheit – können Sie alles behalten, wenn Sie möchten, aber dann werden Sie nicht glücklich. Denn Sie sind fehleranfällig. Der Algorithmus aber ist es nicht.

Die Glücksformel finden

Wenn Sie schon ohne Ampel nicht wissen, wann sie an einer Kreuzung rechts abbiegen sollen, mit welcher Berechtigung trauen Sie sich zu, Ihren Lebensweg anständig zu planen? Wer hingegen einen Algorithmus besitzt, kann die Welt der Informationen regieren. Wie Google. Oder die Glücksformel finden. Wie manches Datingportal. Welcher Mensch passt am besten zu mir?

Unbestechlich

Die niederen Instinkte wie Schnüffeln funktionieren sowieso nicht mehr am Bildschirm, aber wir haben ja den Algorithmus. Er ist unbestechlich – lässt sich nicht von hohlen Worten oder gefotoshopten Selfies manipulieren. Das Frankfurter Zukunftsinstitut weiß, was möglich ist. In nicht allzu ferner Zeit werden wir unseren eigenen Augen nicht mehr trauen müssen. Wir werden Brillen tragen, mit denen wir nicht nur klug aussehen, sondern die selber smart sind. Sehhilfen einer neuen Dimension: Man sieht nur mit dem Herzen gut war einmal! Der Algorithmus scannt mittels Datingbrille die unbekannte Dame in der Supermarktschlange vor Ihnen und weiß: Das ist die Frau Ihres Lebens. Sie hätten sie zwar nie angesprochen, aber jetzt tun Sie es.

Allwissender Algorithmus

Er weiß, welches Buch Sie als nächstes lesen, er kennt ihren Lieblingsverein und die Blutgruppe Ihrer ungeborenen Kinder. Die NSA ist nichts dagegen. Der Algorithmus kennt nicht nur Ihre Vergangenheit und Ihre Gegenwart, sondern auch Ihre Zukunft. Wer ihn programmieren kann, dem steht unendliche Macht offen. Doch was machen Studenten der TU München daraus? Sie haben jetzt einen Algorithmus entwickelt, um vorherzusagen, welche Figur der Fantasy-Fernsehserie „Games of Thrones“ als nächstes sterben wird. Wer die düstere Serie etwas kennt, weiß: Alle Figuren werden sterben. Kein einziger überlebt. Bestimmt auch in der neuen Staffel. Was macht da schon die Reihenfolge aus? Liebe TU-Studenten, ihr könntet die Weltherrschaft an euch reißen – stattdessen setzt ihr die Macht der Mathematik auf das Reich der Fantasie an? Manchmal ist Genialität einfach verschwendet.


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