Bayern 2 - Nahaufnahme


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Wachsen beim Nachbarn Warum deutsche Firmen auf Polen setzen

Das östliche Nachbarland gehört zu den entscheidenden Exportmärkten für Produkte Made in Germany, außerdem haben sich dort viele deutsche Firmen angesiedelt. Darunter sind Industrieriesen wie Siemens und Volkswagen, vor allem aber zahlreiche Mittelständler. Die Nahaufnahme untersucht auf einer Reise durch das Land, wie die deutsch-polnische Zusammenarbeit in der Wirtschaft funktioniert.

Von: Stephan Lina

Stand: 21.04.2017

Kläranlage Warschau | Bild: BR / Stephan Lina

Die Reportage zeigt auch, wie sich der Standort zunehmend wandelt: Von der sogenannten verlängerten Werkbank mit billigen Arbeitskräften hin zu immer mehr Forschung und Entwicklung in High-Tech-Branchen.

Thomas Riegel vom Maschinenbauer Lenze

Nicht nur Großkonzerne wie Siemens sind seit Langem in Polen aktiv, sondern auch mittelständische Unternehmen: in den vergangenen Jahren hat beispielsweise der Maschinenbauer Lenze viel Zeit, Geld und Mühe auf seine polnischen Standorte investiert. Besonders die Umbruchszeit von sozialistischer Planwirtschaft zur Marktwirtschaft war dabei nicht immer ganz einfach, wenn man etwa nach einer kleinen Halle für die Produktion gesucht hat:

"Das waren zum Beispiel alte Betonwerke, die lediglich über ein Dach verfügten, aber an allen Seiten offen waren, wie es eben bei Betonwerken üblich ist. Oder Flugzeughangars, wo Luftfahrtindustrie angesiedelt war, mit mehr als 40.000 Quadratmetern Fläche, was uns für den Anfang viel zu groß war. Andere Objekte erwiesen sich als völlig verfallen."

Thomas Riegel, Geschäftsführer von Lenze in Polen

Siemens-Technik im Klärwerk von Warschau

Doch seit damals hat sich das Land enorm verändert, auch dank der EU-Milliarden aus Brüssel, die zum Wirtschaftsboom der vergangenen Jahre beitrugen. Da die Löhne bis heute deutlich unter westlichem Niveau liegen, sind vor allem junge Männer in den vergangenen Jahren ausgewandert. Sie fehlen Polen nun, in einigen Regionen klagt man schon über Fachkräftemangel. Mariusz Olszewski, Professor an der TU Warschau, hofft, dass sich die Lage in der kommenden Dekade verbessern wird: "Die neue Regierung plant, dass wir bis zum Jahr 2030 etwa das Gleiche verdienen wie im Westen. Ob wir das schaffen, das ist eine ganz andere Frage." Davon wird wohl auch abhängen, ob qualifizierte Frauen und Männer wieder in ihre Heimat zurückkommen, um dem Wachstumstrend neue Kraft zu verleihen.


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