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Praktische Förderkultur Eine Werkstatt qualifiziert Flüchtlinge

In der Lernwerkstatt für Flüchtlinge wird nicht nur der Umgang mit Werkzeugen und Maschinen unterrichtet, sondern auch die deutsche Sprache. Nur wer Deutsch spricht, hat gute Aussichten auf eine Arbeitsstelle, wissen die Ausbilder. Der Zentralverband des deutschen Handwerks beklagt rund 600.000 fehlende Arbeitskräfte und sieht hier für die vielen Flüchtlinge eine Chance.

Von: Anja Kempe

Stand: 25.02.2016

Auch die bayerischen Handwerkskammern fordern die Migranten auf, in diese Richtung zu gehen. Selbst wenn für viele zunächst nur handwerkliche Hilfsarbeiten in Frage kommen, sei damit der erste Schritt in eine solide Berufsausbildung getan.

Ludwig Majohr hat die Lernwerkstatt gegründet

Das Schwäbisch Gmünder Modellprojekt ist überwiegend spendenfinanziert und bundesweit (noch) einmalig. Rund 40 freiwillige Helfer, Handwerker, Lehrer und auch ein Theologe geben Fach- und Sprachunterricht. Der ehemalige Berufsschullehrer und Ingenieur Ludwig Majohr hat das Projekt erfunden und gegründet - als sich abzeichnete, dass die Zahl der Flüchtlinge rapide ansteigen wird. Es sind überwiegend junge Männer, die nach Deutschland kommen und in den Unterkünften lange Zeiten auf ihre Anerkennung, auf Bescheinigungen, Bewilligungen und Genehmigungen warten. Kostbare Monate seien das, die in der Werkstatt genutzt werden können.

Deutsch lernen ist Bedingung

Nach der Begrüßungskultur müsse nun die Förderkultur kommen, meint der Leiter der Ausbildungsstätte. Viele Flüchtlinge beschwerten sich inzwischen darüber, dass sie in  Deutschland meist bloß zum Kuchenessen und zum Volkstanz eingeladen werden. Männer aus Syrien, Afghanistan und afrikanischen Ländern besuchen die Lernwerkstatt. Alle möchten sich weiterbilden und gern arbeiten - vom erfahrenen Ziegenhirten über den Banker bis zum Ungelernten. Wer drei Monate lang durchgängig und mit Erfolg in der Werkstatt anwesend war, bekommt ein Zertifikat. Darin steht, dass der Absolvent kleine Möbel bauen oder Fenster einglasen kann und Deutsch gelernt hat. Über 400 Flüchtlinge haben bisher schon ihr Zertifikat erhalten. Industrie und Handwerk zeigen sich erfreut über diese schnelle und fundierte Ausbildung.


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