Bayern 2 - Nahaufnahme


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Spätes Erinnern Vergessene KZ-Außenlager in Bayern

"Ich war in vielen Lagern, aber Saal war das schlimmste", sagt Jakob Haiblum aus Israel, ein polnischer Jude, der den Holocaust überlebt hat. In Saal an der Donau sollten Häftlinge bei Kriegsende noch Stollen in den Ringberg treiben. Ziel war es, eine unterirdische Rüstungsproduktion aufzubauen. Produziert wurde hier nicht mehr, das Wahnsinnsprojekt hat aber vielen Häftlingen das Leben gekostet.

Von: Thomas Muggenthaler

Stand: 25.01.2017

Jakob Haiblum ließ es sich nicht nehmen, nach Saal zu kommen, als hier ein Gedenkstein für die Opfer des örtlichen Außenlagers des KZ Flossenbürg eingeweiht wurde - 71 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Gedenkeinheit in Landshut

Für Haiblum war es wichtig, noch miterlebt zu haben, dass seiner Kameraden gedacht wird, die nicht das Glück hatten, dieses mörderische Außenlager zu überleben. Auch in anderen Orten mit Außenposten des KZ Flossenbürg wie in Pottenstein oder Helmbrechts beginnt man damit, an diese Kapitel ihrer Geschichte zu erinnern. Bayern war überzogen von einem Netz von Außenlagern der Konzentrationslager Dachau und Flossenbürg. BR-Reporter Thomas Muggenthaler hat etliche Orte besucht und mit Zeitzeugen, Forschern und Lokalpolitikern gesprochen.

Blick auf eine Stele am KZ Dokumentationsort Hersbruck

Viele kleine Außenlager gerieten irgendwann völlig in Vergessenheit, aber auch große Städte taten und tun sich schwer damit, an dieses Kapitel nationalsozialistischer Herrschaft zu erinnern. Obwohl das örtliche Außenlager des KZ Dachau jahrzehntelang immer wieder ein Thema war, reagierte auch Landshut offiziell erst 2016: Nach Recherchen einer Schülerinitiative ließ die Stadt auf dem Friedhof eine angemessene Gedenktafel von einem Künstler gestalten. Sie ermöglicht es, der jüdischen Opfer dieses Außenlagers zu gedenken. In anderen Städten wie Regensburg, Augsburg oder Nürnberg sind die Diskussionen immer noch nicht abgeschlossen.


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