Bayern 2 - Nahaufnahme


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Kino statt Drogen Ein Filmprojekt mit Marseiller Jugendlichen

La Savine ist ein Hochhausghetto im Norden Marseilles, 2000 Bewohner leben dort wie in einem Dorf, doch auf engstem Raum. Jeder kennt jeden, und wie in so vielen großen Sozialbauvierteln dieser Art ist der Drogenhandel Teil des Alltags. Dann kam der Filmemacher Adam Pianko mit einem völlig neuen Projekt: Improvisation vor der Kamera. So entstand im Laufe von vier Jahren eine 90-minütige Fiktion.

Von: Ursula Duplantier

Stand: 02.02.2016

Die Jugendlichen spielen darin sich selbst und ihren Alltag in La Savine, ohne Skript und mit einer Handlung, die sie individuell mitbestimmten: Es geht um den Drogenhandel und Rassismus unter den Einwandererfamilien, sich selbst überlassene Kinder, die Solidarität der Bewohner untereinander und den Druck, unter dem die Familien stehen.

Eigentlich wollte der Filmemacher Pianko daraus Ideen für einen Kinofilm gewinnen, doch schnell merkte er, dass es nicht leicht ist, diese Welt in den grauen Betonblöcken zu verstehen. Außerdem stellte er fest, dass die Jugendlichen erstaunlich viel Talent vor der Kamera an den Tag legten. Dieser Film war der Auftakt für weitere Serien und Kurzfilme, mittlerweile ist das Filmprojekt über die Grenzen von La Savine hinaus bekannt. Den beteiligten Kindern und Jugendlichen macht es großen Spaß dort mitzuwirken, einige bekommen dadurch neues Selbstvertrauen und Lust darauf, mehr aus ihrem Leben zu machen.

Sozialbauviertel La Savine

Ihr erster langer Film wird ab und zu immer noch in Kinos vorgeführt, demnächst sogar auf einem internationalen Filmfestival in Marokko. Die Reportage von Ursula Duplantier stellt dieses ungewöhnliche Filmprojekt vor und was es bei den Kindern und Erwachsenen bewirkt. Der 39-jährige Daniel Said war von Anfang an mit dabei. Anfangs als Schauspieler und Berater und mittlerweile auch als Co-Autor und Kameramann. Für ihn kam Adam Pianko mit seinem Projekt genau zum richtigen Zeitpunkt. Viele seiner Cousins und Freunde sind bereits in Bandenkriegen ums Leben gekommen, als sie mit Drogen dealten und ihm selbst gelang es nicht so recht, das Milieu zu verlassen: "Da hat mich Adam motiviert und mir gesagt, dass er an mich glaubt. Und er hat vor allem nicht lockergelassen."


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