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Schauplatz Athen Die documenta 14 zu Gast in Griechenland

Griechenlands Gesellschaft versucht sich neu zu denken, die Dinge sind ungewiss und in Bewegung. Das Morgen könnte besser sein – oder auch schlechter. Festgefahren jedenfalls ist in Griechenland heute nichts. Kein Wunder, dass dieses Ambiente Adam Szymczyk, den künstlerischen Leiter der documenta 14, angezogen hat. "Von Athen lernen" heißt die Schau.

Von: Alkyone Karamanolis

Stand: 03.04.2017

Erstmals in ihrer Geschichte findet die documenta an zwei gleichberechtigten Orten statt: in Kassel und in Athen. Kurz vor der Eröffnung porträtieren wir die äußerst lebendige Athener Kunstszene.

Adam Szymczyk, künstlerischer Leiter der documenta 14

"Von Athen lernen" ist ein durchaus provokantes Motto: haben wir uns in den letzten Jahren doch angewöhnt, Griechenland im Licht seiner Verfehlungen zu betrachten. Die documenta kehrt diese Sichtweise um. Er möchte nicht das Bekannte reproduzieren, hatte Szymczyk schon aus Anlass seiner Berufung gesagt, sondern nach Gegenbewegungen, und nach dem Unverstandenen Ausschau halten. Ob das gelingen wird, steht freilich dahin. Denn unverstanden fühlen sich auch Teile der Athener Kunstszene. Vielen fehlt beispielsweise die Auseinandersetzung mit der Stadt und ihren Realitäten, sie befürchten, Athen solle nur die pittoreske Krisenromantik liefern.

"Athen ist heute eine der relevantesten Städte überhaupt, um zu verstehen, was in der Welt passiert, denn die Stadt symbolisiert das Scheitern des europäischen Projekts und zwar sowohl ökonomisch wie politisch. Gleichzeitig ist sie der Ort, an dem sich mögliche Antworten, Strategien des Widerstands entwickeln lassen sowie neue politische und ökonomische Modelle."

Paul B. Preciado, Kurator des öffentlichen Programms der documenta

Kuratorenteam der Biennale mit einer Performance

Wenige Tage bevor die documenta 14 ihre Tore öffnet, startet die Athener Biennale mit einem Paukenschlag, der die aktuellen Verwerfungen zwischen den griechischen Kunstschaffenden und denen aus Europas Norden und Westen unterstreicht: Unter dem Motto "Warten auf die Barbaren" läuten die Biennale-Kuratoren ein 'Jahr aktiven Wartens' ein, wie sie es nennen. Ein Manifest wird verlesen und gleich ins Deutsche übersetzt. Man denkt das documenta-Publikum offenbar mit. BR-Reporterin Alkyone Karamanolis hat die Kunstszene in der griechischen Hauptstadt seit Monaten beobachtet und schildert die Situation und Stimmung von Künstlern wie Kosmas Nikolaou:

"Die Museen improvisieren im luftleeren Raum. Sie haben kein Geld, kein Personal, keinen modus operandi. Ihre zentrale Aufgabe, die Kunst der Vergangenheit zu bewahren und die der Zukunft zu ermöglichen, tritt völlig in den Hintergrund, wenn die Museen kein Geld haben, um Strom oder Wachpersonal zu bezahlen. Da stellt sich natürlich die Frage, wie sie mit einer riesigen Institution wie der documenta in Austausch treten sollen."

Kosmas Nikolaou


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