Bayern 2 - Nahaufnahme


4

80 Jahre Cinecittà Was ist aus der Traumfabrik geworden?

Anita Ekberg badete hier für "La dolce vita" in einem Nachbau des Trevi-Brunnens, hier wurden Filme wie "Ben Hur" gedreht: in Cinecittà, Roms legendären Filmstudios. Im April wurde die einstige Traumfabrik 80 Jahre alt. Gegründet im Zeitalter des Faschismus, entdeckten nach dem Zweiten Weltkrieg die Amerikaner das Potenzial der damals modernen Studios – Rom wurde zum Hollywood am Tiber.

Von: Lisa Weiß

Stand: 07.08.2017

Und mit Federico Fellini fand auch ein italienischer Ausnahmeregisseur hier seine zweite Heimat. Doch die glorreichen Zeiten sind längst vorbei. Die großen Produktionsfirmen drehen lieber in Osteuropa, Cinecittà hält sich vor allem mit Fernsehproduktionen und Talkshow-Aufzeichnungen über Wasser.

Filmkulisse des alten Roms

Was ist von der Traumfabrik geblieben? Bei einem Besuch in der heutigen Cinecittà geht BR-Reporterin Lisa Weiß der Frage nach: Dort erinnert eine Ausstellung über die Geschichte der Studios an den früheren Glanz. Auf alten Filmsets werden die Besucher ins antike Rom zurückversetzt oder in die Ära der sogenannten Spaghetti-Western - eine letzte Hochphase der legendären Kinostadt. Der Name des Regisseurs Sergio Leone steht prototpyisch für dieses Genre.

"Western wurden eigentlich damals vor allem in Spanien gedreht, aber die günstige Position von Cinecittà war da wichtig, alles ringsherum war freies Land. Die Spaghetti-Western wurden hier in Cinecittà und in dieser Gegend gedreht."

Elena, Führerin durch Cinecittà

Eine Ausstellung erinnert an große Zeiten

Doch spätestens beim Besuch einer Fernsehaufzeichnung wird klar: Cinecittá, die Filmstadt am Rande Roms, hat sich verändert. In den 70er-Jahren hat die große Krise des italienischen Kinos begonnen, sagt Generaldirektor Giuseppe Basso. Amerikanische Produktionen wanderten in billigere Länder ab, in Italien machte das Fernsehen dem Kino Konkurrenz - die RAI entstand.

"Es war die Gelegenheit für die Politik, mehr Kontrolle über die Ausstrahlungen zu erlangen, denn die RAI ist ein staatliches Programm, während das Kino den Autoren überlassen wurde."

Giuseppe Basso, Generaldirektor von Cinecittà

Aber noch ist der Traum nicht ganz geplatzt: Die Studios könnten vielleicht bald wieder mehr große Produktionen beherbergen.


4