Bayern 2 - Jazz & Politik


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Aufgemischt Politische Farbenlehre

Mit dem Auftauchen der AfD gerät die alte Ordnung der Bundesrepublik aus dem Gleichgewicht. Aber war das mit der Linken nicht auch schon so? Und noch früher mit den Grünen? Ja, aber so bunt hat’s das Chaos noch nicht getrieben.

Von: Lukas Hammerstein

Stand: 22.09.2016

Farbenlehre klingt nach Schule oder Johann Wolfgang von. Politisch sieht man gleich die TV-Erklärer mit den bunten Schaukuchen vor sich, die uns Berlin deuten. Doch geht das noch? Schließlich werden die Großen klein und kommen die Kleinen ganz groß raus. 

Schwarz ärgern

Johann Wolfgang von Goethe

Wenn die Kanzlerin schon mal zugibt an etwas mit schuld zu sein, muss die Lage ernst sein. Dabei hat doch nur Berlin gewählt, eine Stadt, die einst in der DDR lag oder gar zu ihr gehörte und nicht mal mehr einen Flughafen hinbekommt. Der Union reicht es allemal um sich richtig schwarz zu ärgern. Schließlich fürchtet man jetzt nicht nur im Südosten die neue schreckliche Alternative rechts von sich, überall im Land beginnt das große Zittern in den C-Parteien.

Rot sehen

Politische Farbenlehre

Die Genossen haben diesen desaströsen Moment längst hinter sich. Die Linke ist fest etabliert, nicht nur weil Gerhard Schröder die Macht verlor. Aber auch jetzt, da von rechts eine neue Partei das politische Feld aufrollt, dürfte sich die SPD noch einmal verändern. Man kann es an Sigmar Gabriels Wendungen deutlich sehen - sie wird rot werden, nicht vor Scham, sondern aus schierer Überzeugung. Denn in der Mitte ist es allzu eng geworden. 

Das neue Braun?

Frauke Petry und Jörg Meuthen, AfD-Bundesvorsitzende

Gut, reden wir endlich von denen, die an allem schuld sein sollen. Die wollen, dass wir nach einer neuen Farbenlehre sehen. Ist es eine Farben-Leere? Manch einer fragt, angesichts des Blau, das sich die Alternative für Deutschland gegeben hat, ob dies Blau nun das neue Braun ist. Weil die Vorsitzende das Wort "völkisch" wieder positiv besetzen will. Das ist so weit rechts, dass es kaum noch die Sitzordnung eines demokratischen Parlamentes passt und mit Schwarz nun wirklich nicht beschrieben ist. Auf geht’s beim Johann Wolfgang!

Aufgemischt: Politische Farbenlehre

Jazz & Politik, Samstag, 24.9.2016, 17:05 Uhr, Bayern2

  • Von wegen Mitte - 1. Oder wenn die Union sich schwarz ärgert (Tobias Dirr)
  • Von wegen Mitte - 2. Oder wie die SPD wieder rot sehen lernte (Daniel Pokraka)
  • Sind wir wieder so frei? Das scheue gelbe Pflänzlein der Liberalen (Susanne Betz)
  • Wieviel braun enthält das neue Blau? Wie die Republik das Fürchten lernt (Ingo Lierheimer)
  • Von wegen monochrom. Die nicht mehr Nichtwähler und das neue Deutschland (Barbara Streidl)
  • Keine Farbe, grau. Die verblassten Revolutionäre und kein Ruhestand (Patrizia Schlosser)

Redaktion und Moderation: Lukas Hammerstein
Musikauswahl:
Roland Spiegel

  • Lukas Hammerstein | Bild: BR Lukas Hammerstein

    Schriftsteller, Jurist, Journalist, Jahrgang 1958, Moderator und Redakteur von "Jazz & Politik"


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