Bayern 2 - radioMitschnitt


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Ringsgwandl Rock'n'Roll-Stubnmusi

Auf der Bühne greift Georg Ringsgwandl auch heute noch gerne zu seinem allerersten Instrument, der Zither. Kein Wunder, dass Ringsgwandl für seine aktuelle "Woanders"-Tour als Motto "It All Comes Down To Stubnmusi" ausgegeben hat.

Von: Bernhard Jugel

Stand: 17.08.2017

Freilich ist in der Stubnmusi, die Ringsgwandl meint, nur ab und zu ein Hauch traditioneller bayerischer Folklore zu hören – und das in eher parodistischer Absicht. Ansonsten steht der in Bad Reichenhall geborene Liedermacher auf Rock'n'Roll, Soul und Funk, die auch bei der Entstehung seines aktuellen Albums "Woanders" eine entscheidende Rolle gespielt haben. Allerdings tatsächlich in einer eher leisen Variante.

"Wenn wir in den letzten Jahren auf Tour waren, haben wir beim Soundcheck oder in der Garderobe öfter mit unverstärkten Instrumenten vor uns hingeschrammelt und dabei gemerkt, dass man Funk und groovelastige Rocknummern auch bei Zimmerlautstärke spielen kann. Normalerweise werden ein Prince-Funk oder ein Talking-Heads-Groove mörderlaut gespielt, aber wenn die Musiker gut sind entwickelt das bei Zimmerlautstärke einen ganz eigenen Charme. Und letztes Jahr haben wir beschlossen, wir machen ein Platte mit diesem Sound. Die haben wir dann im Frühjahr 2016 in fünf Tagen aufgenommen – die Vorbereitungen dazu haben aber so sechs, sieben Jahre gedauert."

Georg Ringsgwandl

Aufgenommen haben Georg Ringsgwandl und seine Band die Lieder für "Woanders" tatsächlich im eigenen Wohnzimmer. Quasi unter Live-Bedingungen, mit allen Musikern in einem Raum – so ähnlich wie in den letzten Jahren auch Bob Dylan. Der Vorteil dieser Arbeitsweise: die Band ist nach den Aufnahmen so gut eingespielt, das für Liveauftritte nicht mehr extra geprobt werden muss.

Auch beim Konzert in Nürnberg in der Tafelhalle spielt Ringsgwandls Band locker, entspannt, immer auf den Punkt und rhythmisch sehr anspruchsvoll. Der reguläre Bandgitarrist Daniel Stelter ist an diesem Abend verhindert. Für ihn springt Ringsgwandls langjähriger Weggefährte Nick Woodland ein, aber das ist nach ein paar Songs völlig vergessen. Ringsgwandl selbst wird als Sänger offenbar immer besser, je älter er wird, seine weitgehend improvisierten Zwischenansagen sind bestes Kabarett – und so wird dieser Auftritt zu einem Ereignis, bei dem sich garantiert niemand in der ausverkauften Halle gewünscht hat, "woanders" zu sein.

Setlist
Nr.Titel
1.Wo der Futtermais wachst
2.Sitz de her
3.Koda (Kater)
4.Oberpfalz
5.Dorf
6.Woanders
7.Krattla vo Minga
8.Die Spargelkönigin
9.Nix mitnehma
10.Der Konsumverweigerer

Besetzung

Georg Ringsgwandl: Gesang, Zither, akustische Gitarre, Keyboard
Nick Woodland: E-Gitarre, Mandoline, Gesang
Christian Diener: Kontrabass, Gesang
Tommy Baldu: Schlagzeug, Percussion

Eine Produktion des Bayerischen Rundfunks 2016

Aufnahme des Konzerts vom 5. November 2016 in der Nürnberger Tafelhalle
Ton & Technik: Markus Spatz, Andreas Haeuber


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