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Neuerscheinungen der Woche Joe Goddard | Maximo Park | Ron Sexsmith

Der kompakte Überblick über die Neuerscheinungen der Woche stellt die neuen Alben u. a. folgender Künstler vor: Joe Goddard, Maximo Park, Ron Sexsmith, Trans Am und Ray Davies...

Von: Matthias Hacker

Stand: 20.04.2017

Ron Sexsmith - The Last Rider

Seine warme Stimme, die zauberhaften Melodien und die  traurigen, oft von Selbstzweifel zerfressenen Texte sind sein Markenzeichen. Die Songs heißen "Worried Song" oder "That Won't Last For Long" und sie machen nicht unbedingt Mut. Sie klingen bittersüß, verträumt und wunderschön. Der introvertierte Kanadier ist wirklich eine Konstante im Popgeschäft. Jede seiner Platten überzeugt. Da wundert es nicht, dass die ganz großen Songwriter wie Elvis Costello oder John Lennon sich zu seinen Fans zählen. (8 Punkte von 10)

Joe Goddard - Electric Lines

Joe Goddard kennt man von seiner Band Hot Chip.  Vor allem in den Nullerjahren hat sein und ihr Sound die Londoner Dancefloors dominiert. Auf dem neuen Soloalbum verbindet er seine unterschiedlichen musikalischen Lebenslinien. UK Garage, RnB, House, Elektropop und Disko. Bei ihm geht es sogar soweit, dass er nachts von Synthesizern träumt, sagt er. Und ja, die Synthie- Pop-Songs mit einem Hauch R'n'B sind die schönsten auf dem Electric Lines. Goddard spricht sogar von seinem musikalischen Porträt. Das lässt ihn dann aber blass aussehen. (5)

Robyn Hitchcock - Robyn Hitchcock

Früher hat er bei den Soft Boys gespielt, aber hierzulande kennt ihn kaum jemand. Schade.  Denn er ist ein verdammt guter Songwriter, auch wenn ihm das noch keine Hits eingebracht hat. Aber was ist das schon für ein Gradmesser? (7)

Robyn Hitchcock | Bild: Laura E Partain zum Artikel Verkanntes Genie Robyn Hitchcock

Der Brite ist seit den späten 70ern unterwegs, hat mit und ohne Bands Dutzende von Alben aufgenommen. Aber er bleibt ein Musician's Musician und wartet (geduldig) weiterhin auf den Durchbruch. [mehr]

The Black Angels - Death Song

Die Psychrocker aus Austin haben das legendäre Psychfest gegründet. Das ist weltweit wohl das beste Festival für neopsychedelische Rockmusik. Auch in Europa gibt es einige Ableger, beispielsweise in Utrecht. Freunde von düsterer Gitarrenmusik werden das lieben. Die Band hat sich nach einem Velvet Underground Song benannt. The Black Angels Death Song. Und jetzt komplettieren sie das Namensspiel. Das dritte Album von The Black Angels heißt nämlich auch Death Song. Und es klingt auch oft wie die großen Vorbilder Velvet Underground. (8)

Ray Davies - Americana

Ray Davies identifiziert sich musikalisch mittlerweile stärker mit der US-amerikanischen Musik als mit seiner britischen Heimat.  Er war das große Mastermind bei The Kinks und hat ihre größten Hits geschrieben. Sunny Afternoon oder Lola, und mit You Really Got Me hat er sogar die neue Ära des Hard-Rock eingeleitet. Mit 72 legt er jetzt nach neun Jahren Pause sein neues Album vor. Es heißt wie seine vor drei Jahren erschienene Autobiografie und in Spoken Word Marnier liest er sogar einzelne Passagen daraus vor. Sir Ray Davies, wie er sich seit letztem Jahr nennen darf, fängt trotz edlen britischen Blutes aber den staubigen American Spirit schön ein. Von Honky Tonk über Rock'n'Roll bis zu Bluegrass und Country. Er besingt die Prärie der USA, den American Dream, den er selber leben durfte, und er zitiert auch seine alten Klassiker wie All Day And All Of The Night. Americana ist eine Reise durch die musikalischen USA und das Leben eines herausragenden Songwriters. (7)

Trans Am - California Hotel

Cover: Trans Am - California Hotel | Bild: Thrill Jockey

Auch das neue Album des Trios aus Washington ist so wunderbar abwechslungsreich. Jeder Song steht für sich. Step by step kümmern sich Trans Am um Space- , Prog-, Krautrock, Funk, Drone, Industrial, Synthie-Kakophonien. Alles, was sich halt in so einer fast 30 Jahre langen Karriere an Erfahrungen und Einflüssen ansammelt. Und jeder Song ist in seinem Genre ist vom Feinsten. Die Sounds klingen oft nach Weltall. Und die Roboterstimme im Song "I Want 2B Ignored" hat eine traurige und devote Botschaft. Erinnert an Marvin, den depressiven Roboter aus Per Anhalter Durch die Galaxis. (8)

Maximo Park - Risk To Exist

Auch die Indierocker von Maximo Park aus Newcastle hat es in die Vereinigten Staaten gezogen. Aber nur in ein Tonstudio nach Chicago, wo sie ihr neues Album produziert haben. Seit 17 Jahren gibt es die Band, sind nicht totzukriegen, aber sie leben hauptsächlich noch von ihren alten Hits von vor  10 Jahren und von ihrem guten Ruf. Paul Smith ist heute noch der Vorzeige-Brite. Ohne Schirm, aber dafür mit viel Charme und mit Melone. Mit großer Begeisterung für Philosophie und Politik und mit seiner distinguierten Sprache liefert er tolle Beschreibungen der politischen Situation in England. Er spürt die Unruhe im Land, singt empathisch, aber auch  kritisch über seine Landsleute. Die groovigen Beats treiben uns vor sich her - wie auch das Zeitgeschehen, dass uns ja gerade - siehe England - keine Zeit zum Verschnaufen lässt. Sie präsentieren das Album auch live beim Southside Festival. (6)

Overcoats - Young

Wie aus einer anderen Welt klingen die ätherischen Harmonien und Gesänge von Overcoats. Das New Yorker Duo beschreibt man am besten mit dem Folktronica oder Dreampop. Es ist streckenweise schöner eigenbrötlerischer Sound, der sich aber eine Nuance Pop behält und manchmal sogar tanzbar ist. Viel Reverb auf der Stimme und die minimalistischen Sounds geben den beiden Damen eine unantastbare Aura. (7)

Tami Neilson - Don't Be Afraid

Vor zwei Jahren hatte sie das Album schon fertig geschrieben. Dann starb ihr Vater. Ihr Ankerpunkt und der Mann, mit dem sie als kleines Kind durch Kanada getourt ist und unter anderem für Johnny Cash eröffnet hat. Am Sterbebett nimmt sie mit ihrem Vater noch eine Demoversion des Titelsongs "Don't Be Afraid" auf. Er kann kaum mehr atmen, aber er kann noch singen. Diese eindringliche Version hören wir als Hiddentrack am Ende der Platte. Die Studioversion steht am Anfang. Es zeigt, wie wichtig ihr die Vaterfigur war. Mit eingespielt hat die Songs übrigens Delaney Davidson. (8)

GAS - Narkopop

Wolfgang Voigt – der Kölner Technopionier veröffentlicht nach über 20 Jahren auf seinem eigenen Label Kompakt neue Musik unter seinem Pseudonym GAS. Das letzte Album hieß Pop und jetzt schließt er mit Narkopop daran fast nahtlos an. Er verdichtet wieder klassische Kompositionen mit Streichern und Bläsern zu düsteren, rauschenden Clustern. Oder um im Bild des Bandnamens zu bleiben: zu aufsteigenden Gaswolken. (7)

Matthew Logan Vasquez - Does What He Wants

Die Band Delta Spirit liegt gerade auf Eis. Sie sei aber nicht aufgelöst, betont Frontmann Matthew Logan Vasquez. Der Verdacht kam nämlich auf, weil er schon letztes Jahr ein Soloalbum gemacht hat und jetzt ein Jahr später nun Does What He Wants. Auf dem Album geht's dramatisch zu. Er singt vom Pleite-Sein, vom Betrügen, von verlorenen Freunden, vom Vaterwerden und natürlich von der Liebe. Oder er singt ganz banal vom Angeln und von Fischen. Er befindet sich auf einem Selbstfindungstrip, sucht nach der inneren Ruhe und Weisheit und auch nach einem neuen Sound. Und den sucht er zwischen Roy Orbison und Bob Dylan. (4)

Mr. Mitch - Devouted

Ähnliche Themen wie Vaterwerden, Familie, Liebe behandelt auch Mr. Mitch auf seinem zweiten Album. Sein minimalististscher Grime ist poppiger geworden als noch auf seinem Debüt. Wenn wir von Grime sprechen, dann sprechen wir natürlich von London. Und Mr. Mitch ist dort ein wichtiger Name für die Szene. Er hat sein eigenes Label Gobstomper und eine eigene Partyreihe namens Boxed, wo er lokale Talente unterstützt. (6)