Bayern 2 - Nachtmix

Neuerscheinungen der Woche Baio | Illa J | Washed Out

Der kompakte Überblick über die Neuerscheinungen der Woche stellt die neuen Alben u. a. folgender Künstler vor: Calvin Harris, Peter Perrett, Baio, Washed Out und Bogus Order...

Von: Roderich Fabian

Stand: 29.06.2017

Cover: Illa J - Home | Bild: Jakarta

Illa J - Home

Dies ist immer noch Hip-Hop, auch wenn der soulige Groove dominiert auf "Home" - und das ist auch kein Wunder, denn Illa J ist der kleine Bruder des 2006 verstorbenen Produzenten-Genies Jay Dilla aus Detroit. Auf seinem dritten Solo-Album kommen uns die Funk der 70er immer sehr angenehm und inspiriert entgegen, so im Sinne von Slum Village, bei denen Illa J auch mal kurz beteiligt war. (7,5 Punkte von 10)

V. A. - Too Slow To Disco 3

Aber es gibt morgen auch tolle Musik aus der Vergangenheit neu aufgelegt, die Compilation "Too Slow To Disco 3" zum Beispiel, hier mit einem Song der Jeremy Spencer Band, die zuerst 1979 erschien und ganz eindeutig unter dem Einfluss von Fleetwood Mac steht: "Cool Breeze". Lee Riteniour, The Grateful Dead, David Gates und Bob Welch sind noch die bekanntesten Namen auf dieser Wohlfühl-CD. Geheimtipps sind die meisten Songs hier, die weiterhin weißen Funk aus den 70ern versammelt, also das, was der Werbegrafiker damals gerne zum Feierabend hörte - inzwischen kann man diesen Sound schon fast als skurril bezeichnen. (6,5)

James Elkington - Wintres Woma

Ein britischer Gitarrist, der von Amerika aus sein Glück versucht: James  stammt aus der Chicago-Szene um Jeff Tweedy und John McEntire und ist tatsächlich ein Meister seines Instrumentes - machmal erinnert er mit der von ihm bevorzugten Akustischen ein bisschen an Leo Kottke, aber: Wer kennt den heute noch? Elkingtons Debut-Album "Wintres Woma" ist eine echte Empfehlung - intelligenter und virtuoser Folk, nie weit entfernt von dem, was Richard Thompson in seinen besten Zeiten gemacht hat. (7,2)

Lydia Lunch & Cypress Grove - Under The Covers

Folgende Dame stand meistens allein auf dem Cover: Lydia Lunch, No-Wave-Urgestein aus New York City. Und noch immer versucht Lydia, den Spießern die Maske der Bürgerlichkeit vom Gesicht zu reißen. Aber nicht deshalb heißt ihr neues Album an der Seite des begabten Gitarristen Cypress Grove: "Under The Covers". Es handelt sich hier vielmehr um Songs der Doors, der Allman Brothers oder Steely Dan - also vermutlich um Bands, unter denen die Punk-Ikone eher gelitten hat. Meistens freilich bleiben die Originale Sieger über die Lunch-Pakete. Ein Song aber hat mich überzeugt, weil er so schön dirty rüberkommt, wie das Tom Petty and the Heartbreakers nie hinbekommen hätten: "Breakdown". (5,5)

Peter Perrett - How The West Was Won

Peter Perrett hat sich in der Post-Punk-Ära bei den Only Ones mal als großartiger Songwriter erwiesen. Dann kam das Übliche: Drogen, Alkohol und ein paar misslungene Comeback-Versuche. Ob man "How The West Was Won" noch als Comeback verstehen sollte oder doch besser als Spätwerk, muss man sich fragen. Jedenfalls hat er seinen Lou Reed daruf wie kaum ein anderer, und die Songs sind mehr als nur solides Handwerk - erstaunlicher Weise ist "How The West Was Won" sein Solo-Debut. Zu lange hat er dem Konzept der Band die Treue gehalten. (7)

Baio - Man Of The World

Der Typ ist immer noch Mitglied von Vampire Weekend, die ja schon seit vier Jahren auf Eis liegen. Chris Baio nutzt die Gelegenheit abermals, ein Album voller gutgelaunter Electro-Pop-Songs abzuliefern  - ein Mann von Welt. Hier blühen die Anleihen an die frühen 80er, an Gary Numan und Haircut 100. Hier macht jemand Musik, der sich ganz offensichtlich nicht allzu viele Sorgen machen muss, eine Sommerplatte also. (7,5)

Kane Strang - Two Hearts And No Brain

Kane Strang machtso etwas macht, wie man 1989 gerne gehört hat: Indie-Rock à la Pixies oder Hüsker Dü. Kane Strang macht das ganz allein, hat er doch fast alle Instrumente seines Albums  selbst eingespielt - gute Songs, die vielleicht niemand mehr braucht, die man aber trotzdem immer noch gerne hört. (6,5)

Washed Out - Mister Mellow

Nichts schlägt in dieser Woche "Mister Mellow". Der ehemalige Chillwave-Star Ernest Greene hat seine Spielereien mit seelenvollen Träumen noch perfektioniert - und wenn das Album einen Nachteil hat, ist es nur der, dass es nur 28 Minuten dauert - vielleicht wird das ja in 40 Jahren berücksichtigt, wenn abermals Compilations zusammengestellt werden unter dem Titel "Too Slow To Electro"... (9)

Bogus Order - Zen Breaks Vol. 2

Die Beats per Minute von Coldcut sind eher verhalten, aber die Herren aus London kommen ja vom Hip-Hop und Northern Soul. Ein paar Jahre durften sich Coldcut nicht Coldcut nennen, weil ihre ehemalige Plattenfirma auf den Namen Anspruch erhob. 1990 war das, und deshalb veröffentlichten Coldcut ihre Sammlung samplebarer Breakbeats unter dem Namen "Bogus Order". Das Album damals hieß "Jazz Breaks Volume One" und war fast so funky wie James Brown. Nun, 27 Jahre später, lassen sie "Volume Two" folgen - und wieder steht auf dem Cover "Bogus Order". Funky sind diese Instrumentals immer noch, nur jetzt hat irgendwie gemäßigt. (6,7)

Rebollando - Mondo Re-Alterado

Eines dieser in der Electro-Szene beliebten Remix-Alben: Das Original des Mexikaners Rebolledo war auch nicht schlecht, aber dieses Album ist mit seinen elf langen Tracks bestens geeignet, die Party perfekt zu gestalten. Und Rebolledo ist nicht irgendjemand, sondern zählt - laut Forbes-Magazine - zu den 50 einflussreichsten Mexikanern auf diesem Planeten. Na dann, Ende gut, alles gut. (7,7)