Bayern 2 - Nachtmix

Neuerscheinungen der Woche Actress | Fionn Regan | Little Dragon

Der kompakte Überblick über die Neuerscheinungen der Woche stellt die neuen Alben u. a. folgender Künstler vor: Actress, Little Dragon, Helena Hauff, Fion Regan und Hayseed Dixie...

Von: Roderich Fabian

Stand: 13.04.2017

Cover: Little Dragon - Season High | Bild: Because

El Michels Affair - Return To The 37th Chamber

Hinter El Michels Affair steckt der amerikanische Musiker und Produzent Leon Michels. Er ist Fan des Wu Tang Clan und hat vor Jahfren schon einmal das gesamte 37th-Chamber-Album der Rapper gecovert, ohne Samples, ohne Rapper, ausschließlich mit analogem Equipment. Nun folgt die Fortsetzung und klingt oft mehr nach Spaghetti-Western als nach Kung-Fu-HipHop, aber immer sehr inspiriert. (6,9 Punkte von 10)

Tinie Tempah - Youth                       

Konventionellen Hip-Hop bietet dieser britische Rapper. Er tänzelt auch auf seinem vierten Album immer noch zwischen trivialem Unterhaltungs-Pop und deeperen Cuts. Und somit bleibt Tinie Tempah ein typischer Brexit-Artist in der niedlichen Ausführung. (5,8)

Little Dragon - Season High

Auf eine gewisse kindliche Ausstrahlung setzen - schon vom Namen her - Little Dragon aus Schweden, ein weltweit erfolgreiches Electro-Pop-Projekt. Und sie machen ihre Sache auch wieder sehr gut - alles klingt hier so, als würde Prince noch Popsongs schreiben und Neneh Cherry sie singen. Die Schweden überführen sozusagen die besten Seiten der 80er in die Gegenwart. Sie funktionieren nach dem Abba-Prinzip: Eklektische Aneignung und perfekte Ausführung. (7,2)

Fionn Regan - The Meeting Of The Waters

Dieser Ire klingt authentisch. Fünf Jahre sind seit dem letzten Album des Singer/Songwriters vergangen. Jetzt kommt eine neue unspektakuläre, aber irgendwie auch souveräne neue Platte, die meistens mellow wirkt, gelegentlich aber auch mal John-Lennon-mäßig losrockt. Das neue Werk wird Fionn Regan nicht berühmter machen, bereichert aber durchaus sein Oeuvre. (6,5)

Ghost Against Ghost - Still Love

Dies ist das Projekt eines Mannes namens Christopher Bono, ein sehr talentierter und ambitionierter Typ, der in dieser Band auch Ex-Musiker von Mercury Rev und The Mars Volta mitspielen lässt, um verdammt nach Pink Floyd zu klingen, und zwar wie die Bombasten der frühen 70er, so zwischen "Meddle" und Dark Side Of The Moon. Das Album "Still Love" ufert dann entsprechend in Sound-Eskapaden aus - Prog-Rock im Stile der 70er, also sehr eingängig und weniger auf Virtuosität bedacht: Ein beachtliches Album. (7,5)

Chris Shiflett - West Coast Town

Die neue Platte des Amerikaners liefert Country-Rock reinsten Wassers. Shiflett ist kein besonders origineller Songwriter, aber er zeigt hier seine eigentlichen Qualitäten, die ihm seit 1999 die Mitgliedschaft in einer höchst erfolgreichen Band eingebracht haben. Shiflett ist nämlich Meister-Gitarrist bei den Foo Fighters, und was er kann, stellt er auch bei seiner Country-Rock-Platte unter Beweis. (5,0)

Hayseed Dixie - Free Your Mind... And Your Grass Will Follow

Diese Spaß-Band wurde ja mit Country-Versionen von AC/DC-Songs bekannt. Dann versuchten sie es mit Eigenkompositionen, die aber keiner hören wollte. Also sind sie zum Motto der ulkigen Coverband zurückgekehrt. Hier gibt's Countryfiziertes von Michael Jackson, Marvin Gaye, den Temptations und den O'Jays, was meistens keine so gute Idee war. Aber sie covern auch Elvis Costello's "Oliver's Army" - und immerhin das ist nicht kaputt zu kriegen. Sie haben viele Fans in Deutschland. Das erklärt wohl, warum sie auch "Vom selben Stern" von Ich und Ich gecovert haben, was ein Fehler war. (3,8)

Mary Lattimore - Collected Pieces

Cover: Mary Lattimore - Collected Pieces | Bild: Ghostly International

Sie spielt Harfe, tut das aber für den amerikanischen Underground und macht bemerkenswerte Solo-Alben. Anders als ihre Harfen-Kollegin Joana Newsom verzichtet sie auf Gesang. Stattdessen verfremdet sie hier den Sound ihres Instruments elektronisch. Auf sechs langen Tracks macht sie das, was Hauschka mit dem Klavier macht. Das Ergebnis ist auch hier: Pure Schönheit. (8,0)

Helena Hauff - A Tape

Das Album der feministische Produzentin aus Hamburg - der Name sagt es - kam ursprünglich nur als Cassette 2015 heraus. Jetzt kommt die Vinyl-, CD- und Digital-Version dazu und zeigt uns eine absolut drängende, überzeugende Artistin ihres Fachs - ganz großes Tennis. (8,7)

Actress - AZD

Actress macht - darf man das noch sagen? - Intelligent Techno. Seine Tracks sind hoch ambitioniert und dürfen auch politisch gelesen werden, z. B. die  Zukunftsversion namens "Dancing In The Smoke", die Actresses Vorstellung einer digitalen Mensch-Maschinen-Zukunft umschreibt - faszinierend und bedrohlich zugleich.  (9,0)