Bayern 2 - radioReisen


14

Interview mit Oliver Dirr von whaletrips.org Wohin zum Whalewatching?

Wer im Urlaub Wale beobachten will, findet nur schwer Informationen darüber, wann man wo welche Wale sehen kann. Oliver Dirr hat deshalb die Plattform whaletrips.org gestartet. Er erzählt von seinen schönsten Erlebnissen mit Walen.

Stand: 11.05.2017

Im Sommer schwimmen viele Pottwale durch die Fjorde Norwegens. Im Herbst kann man auf Vancouver Island wunderbar Orcas beobachten. Und im Winter kommen tausende Buckelwale nach Hawaii. Diese und viele andere Informationen findet man sehr übersichtlich auf whaletrips.org. Wer im Urlaub Wale beobachten will, kann auf der Seite nach Reiseziel, Zeitraum oder Walart filtern und so den besten Ort für die eigene Whalewatching-Tour finden.

Die Website ist das private Projekt von Oliver Dirr. Die Idee kam ihm, als er vergangenen Herbst zwischen zwei Jobs und zwei Wohnorten eine längere Auszeit hatte und auf Weltreise gehen wollte. Wie aus der Planung einer Privatreise die vielleicht beste Informationsquelle fürs Whalewatching im Internet wurde, erzählt Oliver Dirr im Gespräch mit den radioReisen.

radioReisen: Wie ist Ihnen denn die Idee gekommen, whaletrips.org zu starten?

Oliver Dirr: Meine Frau und ich hatten drei, vier Monate Zeit und wollten einmal um die Welt fliegen. Und dann haben wir ganz viel geplant und Länder aneinandergereiht, die eine schöne Tour ergeben… Irgendwann haben wir gemerkt, dass wir genauso viel nach Möglichkeiten zum Whalewatching recherchieren wie nach Bergen zum Wandern oder Sehenswürdigkeiten zum Anschauen. Und dann habe ich gesagt: Lass es uns umdrehen. Wir machen unsere Tour um die Welt so, dass wir an den verschiedenen Orten am besten Wale sehen können.

Weltkarte mit Fragezeichen | Bild: colourbox.com/Montage: BR zum Artikel radioReisen-Rätsel Wohin fahren wir nächste Woche?

Erkennen Sie unser nächstes Reiseziel? Einfach auf die Karte klicken und den Rätselhinweis hören. Rufen Sie uns an und mit etwas Glück gewinnen Sie. [mehr]

Wir haben dann mehrere Monate lang recherchiert. Und in der ganzen Zeit haben wir keine Website gefunden, die alle unsere Fragen zum Thema Whalewatching befriedigend beantwortet hat. Und je mehr uns klar wurde, dass es so etwas nicht gibt, und je mehr Informationen wir zusammengetragen haben, desto stärker wurde uns klar: Dann machen wir halt selber so eine Website. Und der zweite Grund war: Uns ist das auch schon passiert, dass wir irgendwo auf eine Tour gehen wollten, und dann hieß es, „die Orcas waren letzte Woche hier - aber jetzt nicht mehr“. So etwas nervt natürlich sehr. Mit unserer Webseite wollen wir andere Reisende vor so etwas zu bewahren.

Was war Ihr schönstes Whalewatching-Erlebnis bisher?

Das ist schwer zu sagen. Wir haben fast alle Wale, die es gibt, schon mal irgendwo gesehen – und das war jedes Mal phantastisch! Wir haben zum Beispiel in Kanada vier Stunden an Land gesessen, weil uns jemand gesagt hat, dass da regelmäßig Beluga-Wale vorbeischwimmen. Irgendwann kam tatsächlich eine große Gruppe Belugas und die haben alles gemacht, was Belugas so tun: Die quietschen, pfeifen, sind super aktiv und das konnte man alles von Land aus sehen. Ein anderes Mal saßen wir in einem Schlauchboot und da tauchte 20 Meter neben uns ein Blauwal auf – das größte Tier, das es je auf der Erde gegeben hat! Meine Frau hat etwas ängstlich geguckt, weil dieser Walrücken endlos lange auf- und wieder abgetaucht ist. Wenn man weiß, dass allein die Schwanzflosse so groß ist wie unser Boot, dann bekommt man richtig Respekt.

Wie gefährlich ist Whalewatching denn? Passen die Wale auf, dass sie die Boote nicht rammen?

Es gibt Wale, die schwimmen ganz ruhig neben den Booten her und machen einfach ihr Ding. Es gibt aber auch Wale, die sehr aktiv sind. Buckelwale zum Beispiel springen und knallen dann wieder aufs Wasser. Die wiegen ungefähr 30 Tonnen sind 20 Meter lang – davor habe ich immer Angst, wenn wir in so einem kleinen Boot sind. Auf einer Whalewatching-Tour in Grönland habe ich einmal einem Inuit von meiner Angst erzählt. Der hat dann gelacht und gesagt, ihm geht das genauso. Dabei macht er das schon sein ganzes Leben lang. Aber er hat auch gesagt: Die Wale wissen, was sie tun und sind sehr, sehr behutsam. Buckelwale sind von der Mentalität eher so wie Kühe, also überhaupt nicht aggressiv.

Ist denn Whalewatching überhaupt gut für die Wale?

Am besten wäre natürlich, man lässt die Wale in Ruhe und schaut sie sich nur von Land aus an. Wir schreiben auch auf der Website, wo das besonders gut geht. Aber in Island oder Norwegen, wo nach wie vor kommerzieller Walfang betrieben wird, ist es durchaus sinnvoll, Whalewatching zu fördern. Damit zeigt man den Leuten vor Ort, dass sie damit mehr Geld verdienen können als mit der Jagd. Das muss man immer genau abwägen. Außerdem hilft es den Menschen natürlich sehr dabei, ein Bewusstsein für Umweltschutz oder Sauberkeit der Meere zu entwickeln, wenn sie Wale mit eigenen Augen sehen. Eine gute Tour läuft so ab, dass der Guide einem nach dem Whalewatching immer auch noch ein paar weiterführende Informationen mitgibt – zum Beispiel über Plastikmüll im Meer. Ein schlechter Anbieter fährt einfach nur raus, sagt, „da ist ein Wal. Jetzt mach Dein Foto für Instagram“, und fährt danach wieder zurück. Das bringt niemandem was, das ist reiner Kommerz.

Woran kann man denn einen guten von einem schlechten Whalewatching-Anbieter unterscheiden?

Ein guter Hinweis ist, ob ein Biologe mit an Bord ist, der einem etwas über das Verhalten der Tiere, ihren Lebensraum und die Umwelt erzählen kann. Was auch wichtig ist: Wenn es in einem Hafen zwölf verschiedene Touranbieter gibt, dann vielleicht lieber an einen Ort weiterfahren, wo es nur einen Anbieter gibt. Die Faustregel ist: Es sollten nie mehr Boote im Wasser sein, als es dort überhaupt Wale gibt. Wir haben auf unserer Website ein paar Anbieter verlinkt, mit denen wir selbst schon unterwegs sind oder von denen wir wissen, dass sie gut sind. Das kann sich aber schnell ändern. Oft findet man das erst vor Ort heraus.

Als absoluter Anfänger in Sachen Whalewatching, wo kann ich verlässlich Wale beobachten, ohne deshalb gleich um die halbe Welt zu fliegen?

Das Allernächste ist die Nordsee. Auf Sylt zum Beispiel kann man mit Glück vom Strand aus Schweinswale beobachten. Die sind aber sehr klein. Wenn Sie einen richtig großen Wal sehen wollen, würde ich nach Island oder Norwegen fahren, aber auch auf den Azoren oder im Mittelmeer gibt es gute Chancen.

Alle Beiträge der Sendung

  • Bundesliga der Singvögel in Suriname: Wo Messi mit Hitler um die Wette singt. Von Harald Schmid
  • Interview mit Oliver Dirr von Whaletrips.
  • Wenn Tiere zu Touristen werden: Unterwegs mit der Inseltierärztin von Norderney. Von Kristina Dumas

Die Songs der Sendung

  • Kenny B. - Parijs
  • Israel Kamakawiwo'ole - Over The Rainbow / What A Wonderful World
  • Sea + Air - Do Animals Cry?

Moderation: David Mayonga


14