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Drei spannende Orte in der Karoo Roadtrip durch Südafrikas trockenes Herz

In der Halbwüste Karoo gibt es einzigartige Pflanzen, verrückte Festivals und viele schräge Typen. Wer einen Roadtrip von Johannesburg nach Kapstadt macht, kann sie kennenlernen. Unsere Tipps für Zwischenstopps in der Karoo.

Von: Kerstin Welter

Stand: 08.08.2017

Wo die Karoo anfängt, kann eigentlich keiner so genau sagen. Aber man merkt‘s auch so: Der Horizont rückt plötzlich gaaanz nach hinten. Die Straße rollt so gleichmäßig vor einem ab, dass man eine Schildkröte, die drüberschleicht, schon von weitem sehen kann. Wer wohnt und dieser Einöde? Vor meinem Roadtrip von Johannesburg nach Kapstadt, mitten durch die Karoo, habe ich viele Geschichten über seltsame Typen gehört - über kauzige Einsiedler, verrückte Künstler, aber auch über starke Frauen, die hier die Dörfer zusammenhalten. An den folgenden drei Orten sollte man auf jeden Halt machen.

Stopp 1: Graaff-Reinet

Die beiden wichtigsten Fotomotive beim Besuch der Karoo-Metropole: Erbauung und Verzweiflung. Das erste kommt in Form der schneeweiß strahlenden „Grotekerk“, der Niederländisch-Reformierten Kirche, die selbst Ungläubige staunen lässt. Und wer nicht verzweifelt, weil der Blick über die Weite der Karoo im  „Valley of Desolation“ gar so schön und imposant und befreiend ist, dem ist eh nicht mehr zu helfen. Graaff-Reinet hat ansonsten viel wunderschöne Bausubstanz zu bieten: Mehr gut erhaltene kapholländische und viktorianische Häuser findet man nirgends in Südafrika. Und wer ein bisschen länger verweilt, findet in den Jacaranda-gesäumten, blitzblank gehaltenen Nebenstraßen des Ortes auch den ein oder anderen Rebellen: Menschen wie Johan Bouwer in seinem gigantischen Sukkulentengarten oder den Bücherwurm David McNaughton, bei dessen Touren Graaff-Reinets Geschichte immer so erscheint, als sei sie gestern erst geschehen.

Stopp 2: Nieu-Bethesda

Nur gut 60 Kilometer von Graaff-Reinet entfernt liegt in einem Flusstal versteckt eine andere Welt. Die geteerte Straße über einen entzückenden Bergpass hört kurz vor dem Dorf auf - und damit die Verbindung zur Außenwelt, zumindest gefühlt. Einst ein Ort für hart arbeitende, konservative Buren-Bauern und heute die Wahlheimat von vielen Künstlerseelen sollte man Nieu-Bethesda keinesfalls mal im Vorbeifahren besuchen. Die drei Straßen des Ortes wollen durchschlendert und die kleinen Galerien schwatzend abgegrast werden. Ein guter Kaffee ist zum Glück nie mehr als drei Gehminuten entfernt. Epizentrum der kreativen Vibes des Örtchens: das „Owl House“ von Helen Martins, die erst posthum als Künstlerin anerkannt wurde und heute tausende Besucher anlockt. Panoptikum oder Schatzkammer? Muss jeder selbst entscheiden. Die Bodenhaftung kommt beim Lunch im “Eetplek” von Tannie Evelyne zurück, dem Restaurant in Nieu-Bethesdas Township Pienaarsig. Beim Kudu-Eintopf auf der schattigen Außenterrasse erzählt sie vom Leben als Ersatzmutter für eine ganze Community. Wer nett ist, bekommt ein Ständchen mit auf den Weg.

Stopp 3: Barrydale

Ein bisschen Klein-Amerika, aber dann doch so südafrikanisch: Barrydale liegt an der Route 62, einer Panoramastraße, die Visionen vom wilden Cowboyleben hervorruft. Die Route 62 führt durch die Kleine Karoo – die ist nicht nur kleiner als die riesigen Weiten jenseits des Swartberg Passes, sondern auch hügeliger, bewohnter und touristisch erschlossener. Künstler, Kreative und Gastronomen haben sich hier angesiedelt. Verhungern muss niemand, der in Barrydale Halt macht. Und wer ein bisschen Zeit mitbringt, kann sich einem Kunst- oder Photoworkshop anschließen, oder sich auch einfach nur durch die Spezialitäten der Karoo-Küche futtern. Besonders zu empfehlen: das Café “Diesel & Creme”, von Kapstadt kommend am Ortseingang. Portionen, von denen ein Farmer satt wird, und ein faszinierendes Sammelsurium an coolen Biker-Kleinodien. Knapp 30 Kilometer weiter in der Halbwüste liegt “Ronnie’s Sex Shop” an der Straße – Blinker rechts und rein da. Der Mann und seine Kneipe sind Legende, auch wenns statt Sex nur ehrliche Drinks gibt.  

Alle Beiträge der Sendung

  • Roadtrip durch Südafrikas Mitte – Crazy Typen in der Karoo. Von Kerstin Welter
  • Affenplage auf der Kap-Halbinsel – Wenn Paviane ein Dorf terrorisieren. Von Mechthild Müser
  • Aufbruch in Johannesburg – Zweite Chance für Afrikas gefährlichstes Hochhaus. Von Gaby Mayr

Die Songs der Sendung

  • Miriam Makeba - Pata Pata 2004
  • Nomfusi - You Are

Moderation: David Mayonga

Die komplette Sendung ist im Download-Center nachzuhören.


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