Bayern 2 - radioReisen


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Fünf Tipps für Entdecker Erkundungen im bayerischen Untergrund

Tunnel, Grotten, Höhlen und Bunker – diese manchmal verborgenen, immer spannenden Orte wecken den Abenteurer in uns. Und sie liegen oft direkt unter unseren Füßen. Fünf Ideen für unterirdische Touren in Bayern.

Von: Helen Malich

Stand: 25.01.2017

Wer durch die Nürnberger Altstadt geht, der ahnt oft gar nicht, was für ein Labyrinth sich direkt unter seinen Füßen befindet. Aber auch in anderen bayerischen Orten kann man auf unterirdische Entdeckungsreise gehen. Hier unsere vier Tipps:

Tipp 1: Die etwas anderen Stadtführungen im Nürnberger Untergrund

Rotes Bier in tiefen Kellern, ein Spaziergang im Dunkeln mit Taschenlampe oder der historische Kunstbunker im Burgberg - der Förderverein Nürnberger Felsengänge gestaltet verschiedene Erkundungstouren im Nürnberger Untergrund: Die geführte Taschenlampentour bietet 90 Minuten Abenteuer für Mutige, die Kinderführung ist nicht ganz so gruselig, aber nicht weniger aufregend, der Rundgang durch die Festungsanlage der Kaiserburg liefert beeindruckende Einblicke in die Baukunst der militaristischen Renaissance. Durch Bahn-Bunker, Bierkeller, Wasserstollen, Verteidigungs- und Luftschutzanlagen werden auf Anfrage auch fremdsprachige und individuelle Führungen zusammengestellt.

Website des Förderverein Nürnberger Felsengänge e.V.

Fast alle Orte, die man mit dem Förderverein Nürnberger Felsengänge besichtigen kann, hat der Fotograf Jonathan Danko Kielkowski mit der Kamera dokumentiert. Eine Auswahl seiner schönsten Fotos aus dem Nürnberger Untergrund haben wir in dieser Bildergalerie zusammengestellt. Außerdem sind Jonathan Kielkowskis Fotos auch im neuen Bildband "Unterirdisch" aus dem DuMont Verlag zu sehen. Wir verlosen ein Exemplar des Buches.

Website von Jonathan Danko Kielkowski

Tipp 2: Tief in den Felsenkeller und die oberpfälzische Geschichte

Das Bier sorgt in Bayern nicht nur für Gemütlichkeit, Ranzen und Rausch, sondern in der Oberpfalz auch für ein Abenteuer: Um das Bier besser und länger lagern zu können, wurde auf kalte Gärung umgestellt. Dafür wurden gegen Ende des 15. Jahrhunderts unter dem Schwandorfer Holz- und Weinberg über 130 Felsenkellerräume in den Sandstein gehämmert. Auch als Kühlschrank machten sich die Räume gut, zogen aber auch Kellerdiebe von nah und fern an. Ein Besuch des unterirdischen Labyrinths bringt einen nicht nur tief hinunter, sondern auch weit zurück in die bayerische Geschichte: Vom Ursprung der Keller über die Entwicklung der Braukunst bis hin zur Verwendung der Felsenkellerräume während der Weltkriege.

Website der Kreisstadt Schwandorf

Tipp 3: Heilung im Berchtesgadener Salzbergwerk

Das Salzbergwerk Berchtesgaden ist der einzige Salzheilstollen in Westeuropa. Hier kann man die Ruhe genießen, dem Plätschern des Solebeckens lauschen und tief durchatmen. Das Salz in der Luft soll bei Atemwegsbeschwerden helfen und auch die Seele ins Gleichgewicht bringen. Damit bei 850 Meter unter der Erde keine Beklemmungsängste aufkommen, wird die großzügige Anlage mit Lichter und Musik stimmungsvoll in Szene gesetzt. Dieses besondere Ambiente wird auch für kulturelle Abende und Konzerte genutzt. Wer möchte, kann auch die Nacht im Bergwerk verbringen, die Preise sind allerdings bisweilen gesalzen: Mit 100-150 Euro pro Person muss man rechnen.

Website der Urlaubsregion Berchtesgadener Land

Tipp 4: Eine Höhle in der Höhe bei Brannenburg

Seit hundert Jahren kann man die Wendelsteinhöhle ganz in der Nähe der Bergstation Wendelstein nun schon besichtigen. Die Höhle an sich ist aber wesentlich älter. Forscher schätzen das 500 Meter umfassende Höhlensystem auf über 30 Millionen Jahre. Tatsächlich liegen unter dem Gipfel weitere Höhlen und Schächte, allerdings sind diese noch nicht erschlossen. Wissenswertes zur Entstehung der Wendelsteinhöhle erfährt man durch interaktive Schautafeln beim Rundgang. Bitte beachten Sie, dass beim natürlichen Zugang zur Höhle mit Steinschlag und somit Lebensgefahr zu rechnen ist. Halten Sie sich bitte an die Ausschilderung am Bahnhof.

Website zur Wendelsteinbahn

Tipp 5: Abenteuer unter Tage in Kamsdorf

Genaugenommen liegt Kamsdorf nicht mehr in Bayern, sondern in Thüringen, aber für die Unter- und Oberfranken und auch für die Oberpfälzer ist das Besucherbergwerk einen Katzensprung entfernt. Für Nürnberger Fotograf und Autor Jonathan Kielkowski sind die einzigartigen 3000 Kilometer unterirdischer Schächte, Gänge und Stollen allemal einen Ausflug wert. Im Inneren des alten Bergwerks eröffnen sich unerwartete Dimensionen: Große Hallen mit langen Schächten, Gleise, auf denen noch immer eine Bergwerksbahn fährt, nur dass sie heute Besucher befördert und nicht Kupfer-, Silber- und Eisenerz. Der Kamsdorfer Verein zur Pflege der Bergbautradition e.V. kümmert sich um die Führungen vor Ort.

Website des Kamsdorfer Vereins zur Pflege der Bergbautradition e.V.

Diese und andere unterirdische Abenteuer stellt der neue Bildband "Unterirdisch - Verborgene Orte in Deutschland" aus dem DuMont Verlag vor. Wir verlosen ein Exemplar im Rahmen unseres radioReisen-Rätsels. Einfach auf die Weltkarte klicken und miträtseln. Wohin fahren wir nächste Woche?

Alle Beiträge der Sendung

  • Die Tunnels von Seattle: Die zweite Stadt unterm Gehsteig. Von Christian Sachsinger
  • Unterwegs mit Jonathan Kielkowski: Nürnbergs Unterwelt in neuem Licht. Von Bärbel Wossagk
  • Deutscher Friedhof in Moskau: Wo deutsch-russische Geschichte erlebbar wird. Von Julia Smilga

Die Songs der Sendung

  • The Head And The Heart - Lost in My Mind
  • Boat Shed Pioneers - Cod Street

Moderation: Bärbel Wossagk

Die komplette Sendung ist im Download-Center nachzuhören.


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