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Blühende Wüstenstadt Die drei schönsten Gärten Marrakeschs

Gärten symbolisieren in der islamischen Kultur das Paradies. In Marrakesch haben sie eine lange Tradition. Früher wurde hier Politik gemacht, heute dienen sie der Erholung. Conny Frühauf über drei Gärten, die Sie unbedingt gesehen haben sollten.

Von: Conny Frühauf

Stand: 12.07.2017

Mit der Gründung Marrakeschs im 11. Jahrhundert beginnt auch die Geschichte seiner Gärten. Das Nomadenvolk aus der Sahara wusste um den Wert von Oasen im Wüstenklima. In Marrakesch regnet es nur an zehn Tagen im Jahr. Im Sommer steigen die Temperaturen auf 48 Grad. Gärten sind hier willkommene Oasen: Sie bieten kühlenden Schatten, laden nach all dem lauten, quirligen Treiben auf den Plätzen und in den engen Gassen dazu ein, die überreizten Sinne zu entspannen. Gärten haben in der arabischen Kultur eine lange Tradition, sie begrünen die Innenhöfe der Riads, der traditionellen marokkanischen Stadthäuser. Sie liegen zuweilen hinter hohen Mauern, wo sie mit ihrer verschwenderischen Pracht alte Paläste umgeben. Conny Frühauf über drei Gärten, die Sie unbedingt gesehen haben sollten.

1. Jardin Majorelle

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Dieser Garten ist eine Komposition aus leuchtendem Grün und Blau, ein paar Tupfern zitronigem Gelb und erdigem Rot. Jeder Durchblick ist wie ein gemaltes Bild: Bougainvilleen umschmeicheln einen Säulengang. Palmenwedel fächern durchfallendes Licht. Meterhohe Kakteen säumen ein blaues kubistisches Haus – das einstige Atelier des französischen Malers Jacques Majorelle. Er schuf dieses botanische Gesamtkunstwerk in der Neustadt von Marrakesch. Inspiriert von der üppigen Schönheit des Orients und seiner Leidenschaft für Pflanzen und die Farbe Blau. Jacques Majorelle hat die exotische Pflanzenpracht bei seinen Reisen durch die ganze Welt eingesammelt. Bis zu seinem Tod 1962 teilte er seinen Garten mit der Öffentlichkeit. Anschließend rettete ihn der Pariser Modeschöpfer Yves Saint Laurent vor dem Abriss. Sieben Gärtner umsorgen diese moderne Interpretation alter orientalischer Gartenkunst Tag für Tag.

2. Les jardins du Musée de la Palmeraie

Während der Jardin Majorelle längst kein Geheimtipp mehr ist, scheint der Garten des Musée de la Palmeraie im luxuriösen Neubauviertel nur Insidern und unzähligen Fröschen bekannt zu sein: Ein Traumgarten im andalusischen Stil mit langem Wasserbecken unter knorrigen Olivenbäumen, am anderen Ende die Spitzbögen einer Loggia. Entworfen hat ihn Abdèrrazak Benchaâbane selber. Vorher war er zehn Jahre lang botanischer Direktor im Majorelle-Garten. Heute reist er als gefragter Ethnobotaniker zu Kongressen in der ganzen Welt, gibt Gartenmagazine und Bücher heraus und kreiert Parfums.

Abdèrrazak Benchaâbane liebt die Gärten Marrakeschs: "Sie spiegeln auf ihre Art die Geschichte wider. Jede Epoche, jede Dynastie hat versucht, die Stadt mit ihrem Gartenstil zu prägen. Ich vergleiche diese Gärten gerne mit Versailles, aber noch vor Versailles hatten sie eine politische und diplomatische Bedeutung, weil die Herrscher hier ihre Macht zur Schau stellen konnten."

3. Anima - der Garten von André Heller

Der dritte Garten liegt ebenfalls vor den Toren Marrakeschs, 30 Autominuten entfernt im fruchtbaren Ourikatal. Auch er ist eine moderne Interpretation traditioneller Gartenkunst und - wie der Jardin Majorelle - von einem europäischen Künstler angelegt. André Heller hat hier 2016 seinen Garten Anima eröffnet. Damit alt aussieht, was neu angelegt ist, ließ Heller alte Bäume aus ganz Marokko herbeigeholen.

Seit 1972 kommt André Heller regelmäßig nach Marokko. Hier findet er Inspiration, Lebensfreude und erstmals so etwas wie ein Heimatgefühl. Viele seiner Projekte sind hier entstanden. "Das Gefühl war: Ich muss Marokko etwas zurückgeben für das viele, das es mir an Hilfestellung geboten hat. Dazu kam, dass die politische Situation von Sekunde zu Sekunde dringender wurde. Dass es nichts Richtigeres gibt, als hier Arbeitsplätze zu schaffen, wenn man die Menschen hier halten will. Wenn man will, dass sie in Würde mit einer Krankenversorgung, mit einem sozialen Netz existieren können - ohne sich auf irgendwelche tödlichen Gummiboote zu bewegen."

Während des Baus waren bis zu 300 Menschen in Hellers Garten beschäftigt. Heute bietet er 45 Menschen Arbeit. Anima ist ein Touristenmagnet. Die Besucher bestaunen Hellers Verwandlungskunst: Da stapft ein aufrechter Esel im funkelnden Mosaik-Anzug unter Palmen, spuckt ein gigantischer Frauenkopf Wassernebel, ein Schiff namnes "Espoir" transportiert Tiere. Vor dem Garten sitzt Auguste Rodins Denker. Der Erzählkünstler André Heller will inspirieren, die Sinne wecken, einen Ort schaffen, der Trost und Zuversicht bringt, auch in schwierigen Zeiten.

Alle Beiträge der Sendung

  • Marokko - Die schönsten Gärten Marrakeschs. Von Conny Frühauf
  • Toskana - Daniel Spoerris fantastischer Skulpturengarten. Von Thomas Grasberger
  • New Yorks neueste Park-Sensation. Von Kai Clement

Die Songs der Sendung

  • Aziz Sahmaoui - Maktoube
  • Bandabardò - Spicchi di mele secche

Moderation: Bärbel Wossagk


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