Bayern 2 - radioReisen


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Wo der Wilde Westen lebendig wird Die schönsten Geisterstädte in der Wüste von Nevada

Goldrausch, Whiskey, Einsamkeit – wer die Casinos von Las Vegas hinter sich lässt, der findet in der Wüste Nevadas Spuren der Goldgräberzeit. In den Ghosttowns ist der Wilde Westen konserviert – hier kann jeder auf Zeitreise gehen.

Stand: 14.06.2017

Der Wilde Westen der USA – wer daran denkt, sieht automatisch reitende Cowboys, weites Land, Indianer, Revolverhelden und Saloons vor sich. Das alles ist Vergangenheit, die trotzdem auch heute noch existiert. Denn eines ist in vielen Bundesstaaten geblieben: die Geisterstädte des Goldrausches. Oft fast über Nacht entstanden, haben die Bewohner sie wieder verlassen, wenn im Boden kein Gold mehr zu holen war. Zurückgeblieben sind menschenleere Siedlungen mitten in der Wüste, die auf viele Menschen faszinierend wirken.

Rhyolite – Wo der Stein den Ton angibt

Der Name dieser Stadt entstammt dem Stein, für den sie entstanden ist. Ein Rhyolite oder auch Liparit ist ein vulkanisches Gestein, dass in den USA vor allem in den Rocky Mountains zu finden ist. Die ehemalige Goldgräberstadt steht unter Denkmalschutz. Durch die trockene Wüstenluft sind sogar noch Holzhütten gut erhalten und auch Steingebäude aus der Vergangeheit. Allen voran das "Flaschenhaus". Whiskey-, Wein-, Champagner- und Medizinflaschen wurden wie Ziegel übereinander gestapelt, insgesamt 64.000 Stück. Fast alle Minenstädte des Westens hatten so ein Haus. Eine moderne Art des Recyclings: Wenn das Wasser verwendet wurde, um das Gold auszuwaschen, musste der Fusel ran und das Leergut später aufgeräumt werden. Kein Wunder also, dass Rhyolite unglaubliche 53 Saloons für gerade mal 10000 Einwohner hatte. Ach ja, und Geisterjäger gibt es auch...

Goldpoint – Wo man bis heute Gold findet

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Verlassene Holzhütten, eine dramatische Bergkulisse, eine Sandpiste, die hinunter ins Dorf führt - das Begrüßungskommitee: Ein Galgenpodest samt Schlinge. Gleich daneben - wesentlich freundlicher - ein Saloon mit einem mechanischen Klavier. Auch in Goldpoint dominiert die Barkultur. In einem Original-Saloon aus dem Jahr 1905 stecken Goldgräber-Erinnerungen in jeder Ecke. Es hängen Steckbriefe von Goldgräbern an der Wand, zwischen den 270 verschiedenen Whiskey-Sorten findet man vielleicht Halt und in der weiten Natur um das Städtchen herum mit Sicherheit Ruhe. Viele schätzen die Freiheit hier, ohne Hektik und Stau. Und obwohl die letzte Goldmine hier vor 70 Jahren dicht gemacht hat, gibt es noch immer Zuversichtliche, die Gold aus den Bergen waschen. Wo genau? Das bleibt ihr Geheimnis. Vielleicht verrät es ja einer beim Whiskey.

Virginia City – Wo schon Mark Twain seinen Whiskey soff

Und dabei gab es hier noch nicht mal Gold: 1859 war Viginia City die erste Stadt der USA, in der nach Silber gegraben wurde. Vielleicht weil der Goldrausch in Kalifornien seine Wellen nicht bis nach Virginia City zog, konnte sich die Stadt anders halten als ihre Schwestern. Auch wenn es Höhen und Tiefen in der Population gab: 1880 um die 10000 Einwohner, heute leben hier noch etwa 850 Menschen. Virginia City ist also noch immer eine lebendige Stadt, die Touristen zwar wegen der Minenmemoralibia anzieht, aber auch andere Vorzüge zu bieten hat. So wurde beispielsweise hier 1863 aus Samuel Clemens Mark Twain: Für einige Jahre schrieb er hier vor seiner Schriftstellerkarriere für die Lokalzeitung "Enterprise". In charmantem Ambiete kann man hier Geschichte nacherleben und stilvoll unterkommen. Viele Bed & Breakfasts bieten ihren Gästen Unterschlupf in historischen, restaurierten Gebäuden. Wie wäre es mit einer Minentour am Nachmittag, einem Abendessen in der alten Cider Fabrik und einem Besuch im Geistermuseum?

Alle Beiträge der Sendung

  • Spuren des Krieges in Vietnam - Cong-Café statt Vietcong. Von Gabi Schlag und Benno Wenz
  • Reise durch ein geteiltes Land - Interview mit Autor Sören Kittel über Südkorea
  • Ghost towns in Nevada - Neues Leben in der Geisterstadt. Von Nicole Schulze-Aissen und Helmut Stapel

Die Songs der Sendung

  • Connie Kim: Ly Lun Tinh Yeu (vom Sampler "Saigon Supersound")
  • Calexico: Quattro (World Drifts In)

Moderation: Bärbel Wossagk


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