Bayern 2 - radioFeature


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Geschichte einer Radikalisierung Bilals Weg in den Terror

Der 17-jährige Bilal konvertiert in Deutschland zum Islam, geht nach Syrien und schließt sich der Terrororganisation "Islamischer Staat" an. Zwei Monate später ist er tot. Dieser konkrete Fall beschreibt die Radikalisierung junger Menschen.

Stand: 14.05.2017

Bilals Geschichte beginnt in Zentralafrika, Ende der 90er. Als kleines Kind kommt er mit seiner Mutter und zwei Geschwistern nach Deutschland. Bilal, der mit bürgerlichem Namen Florent heißt, wächst in der Nähe der Hamburger Reeperbahn auf. Der quirlige Junge macht Scherze auf dem Pausenhof, mag Fußball, besucht den Jugendclub der St. Pauli Kirche. Mit 14 gerät Florent dann in salafistische Kreise. Er konvertiert zum Islam, verteilt vor dem Hauptbahnhof den Koran, trägt weiße Pluderhosen und lange Hemden. In Verehrung des Propheten Mohammed nennt er sich Bilal. Im Mai 2015 reist er nach Syrien aus, zwei Monate später ist er tot.

Ausführlich - in fünf Folgen als Podcast

Mit Bilals Geschichte verbindet der Journalist und Autor Philip Meinhold nicht nur gesellschaftliche Strömungen mit einem konkreten politischen Problem, er findet auch noch eine in Deutschland bisher wenig gebrauchte Form. Ausführlich und in fünf Folgen begleiten wir ihn in einem Podcast: Wie er mit Bilals Verwandten und Freunden spricht, mit Experten von Sicherheitsbehörden und Vertretern der islamistischen Szene. Eine packende Recherche zu den Ursachen und Umständen einer Radikalisierung – und einem bislang ungeklärten Tod.

Philip Meinhold geht es dabei nicht um Sensationslust, sondern um die Möglichkeit, der realen Geschichten eines Menschen mit der nötigen Ausführlichkeit gerecht zu werden. Oder es in jedem Fall zu versuchen. Schon 2015 hat der Journalist einen konkreten, juristischen Fall in einem Podcast aufgedröselt. Es ging um den Jugendlichen Burak Bektas, der auf offener Straße erschossen wurde. Schon damals führten die Recherchen auch Philip Meinhold und seine Gesprächspartner an ihre persönlichen Grenzen - all das Leid und der Schmerz wurden wieder ausgegraben auf der Suche nach der Wahrheit.

Produktion: NDR / rbb 2017
Redaktion: Ulrike Toma und Jens Jarisch
Regie: Nikolai von Koslowski

Der Autor

Philip Meinhold, geboren 1971 in Berlin, Abitur, Ausbildung zum Buchhändler, Berliner Journalistenschule, Studium am Leipziger Literaturinstitut. Er veröffentlichte mehrere Bücher, zuletzt „´"Erben der Erinnerung" im Verbrecher Verlag. Für die Podcast-Serie "Bilals Weg in den Terror" (NDR und rbb) ist er für den Prix Italia nominiert ist. Meinhold lebt als freier Radio-Journalist und Schriftsteller in Berlin.

Hier können Sie das Manuskript herunterladen:

Bilals Weg in den Terror Format: PDF Größe: 284,07 KB


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